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 Nachruf: ✝ Dr. Jens Bruder

08.06.2020   Mit tiefer Betroffenheit haben wir vernommen, dass Dr. med. Jens Bruder am 12. März 2020 im Alter von 77 Jahren in Hamburg verstorben ist. Die Altenhilfe verliert mit ihm einen der wichtigsten Impulsgeber für die Aufbruchsstimmung in den 1990er Jahren, Menschen mit Demenz angemessen pflegen und betreuen zu können und zu müssen.

Jens Bruders Interesse für seelische Erkrankungen im höheren Lebensalter sowie für alle Fragen, die mit körperlichen und seelischen Veränderungen in der zweiten Lebenshälfte zusammenhängen, entstand während seiner psychiatrischen Weiterbildung in den Jahren 1976 bis 1984 am Allgemeinkrankenhaus Ochsenzoll. Mehrere Jahre lang engagierte er sich dann in einem wissenschaftlichen Forschungsvorhaben, das die Folgeerscheinungen eines Demenzprozesses für Angehörige der von dieser Krankheit betroffenen Menschen zum Inhalt hatte. Aus diesem Forschungsprojekt ging die Beratungsstelle für ältere Bürgerinnen und Bürger in Norderstedt hervor, die viele Jahre lang von Jens Bruder geleitet wurde.

Sehr bedeutsam für die Altenhilfe war, dass Jens Bruder 1986 die ärztlich-therapeutischen Abteilung der Einrichtung „Pflegen und Wohnen“ in Hamburg übernahm und bis 1998 leitete. Zusammen mit 30 weiteren Ärztinnen und Ärzten war er für den zu dieser Zeit kommunalen Heimsektor der Stadt Hamburg verantwortlich – und damit für rund 4.000 geriatrisch und gerontologisch langzeiterkrankte Menschen. Die hier gesammelten Erfahrungen mündeten bereits Anfang der 1990er Jahre in der Etablierung des damals sogenannten 750-Plätze-Programms. Damit war es erstmals in Deutschland gelungen, für Menschen mit Demenz und Verhaltensauffälligkeiten deutlich bessere Rahmenbedingungen für ihre stationäre Versorgung zu schaffen sowie die Refinanzierung über die Pflegesätze zu sichern.

Jens Bruder legte u.a. gemeinsam mit seinem Oberarzt Dr. Jan Wojnar und anderen die inhaltlich-konzeptionellen Grundlagen für die besondere Dementenbetreuung in Hamburg. Sie ist bis heute nur wenig modifiziert und eine Blaupause für die spezialisierte Arbeit für Menschen mit Demenz.

In diesem Zusammenhang muss mit Bitterkeit und Unverständnis erwähnt werden: Nach fast 30 Jahren ist es deutschlandweit trotz aller wissenschaftlicher Bestätigung und den Bemühungen vieler Akteurinnen und Akteure noch immer nicht möglich, die spezialisierte Betreuung von Menschen mit Demenz und Verhaltensauffälligkeiten überall umsetzen zu können. Das im Interesse der Betroffenen und der Pflegenden zu ändern bleibt unser Auftrag.

Es gäbe noch vieles zu Jens Bruder zu sagen. So war er u.a. Vorstandsmitglied mehrerer gerontologischer und geriatrischer Fachgesellschaften sowie Mitbegründer der Deutschen Alzheimer Gesellschaft und von 1997 bis 1998 auch deren Vorsitzender.

In diese Zeit – genauer gesagt: 1997 – fiel auch die für die Altenhilfe so wichtige Gründung der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung (DED). Hierbei handelte es sich um einen Zusammenschluss von engagierten und innovativen Professionellen aus der Altenhilfe, die ihre Erfahrungen austauschten und der Fachöffentlichkeit zugängig machten. Viele dieser Erfahrungen sind heute Grundlage der täglichen Arbeit; diese Grundlage wurde im Expertenstandard Beziehungsgestaltung festgeschrieben.

Mit unserem Verband hatte Jens Bruder immer wieder Begegnungen, weil ihm aufgrund der besonderen Verantwortung von Leitungskräften in der Langzeitpflege deren Qualifizierung ein wichtiges Anliegen war. Ebenso unterstützte er immer wieder die Bemühungen, das Hamburger Modell in anderen Bundesländern etablieren zu können.

Beim Schreiben dieses Nachrufes las ich noch einmal seinen Eröffnungsvortrag „Die Altenpflege ist besser als ihr Ruf“ auf dem DVLAB Bundeskongress 2009. Dieser Beitrag hat bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Seine darin zum Ausdruck gebrachte Wertschätzung für die Altenpflege ist gerade aktuell Balsam für die Seele und daher nachstehend noch einmal zum Nachlesen. Dr. Jens Bruder schloss seinen Vortrag damals mit den Worten: „Wie schön, dass Sie mir zugehört haben! Danke.“

Wir haben IHM zu danken!

Peter Dürrmann
Bundesvorsitzender des DVLAB

Das Foto zeigt Dr. Jens Bruder. (Quelle: deutsche-alzheimer.de)

Hier der Eröffnungsvortrag von Dr. Jens Bruder


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Top Aktuell

  Bundeskongress ist im Jahr 2020 abgesagt

Jedes Jahr nehmen über 500 Leitungskräfte der Altenhilfe am DVLAB-Bundeskongress in Berlin teil. In diesem Jahr war der Kongress für den 19./20. November 2020 terminiert. Nach langem Ringen hat der DVLAB seine zentrale Jahresveranstaltung nun schweren Herzens abgesagt. Denn aus heutiger Sicht ist nicht vorauszusehen, ob es im Herbst zu einer zweiten Welle der Pandemie kommen wird. Daher halten die Verantwortlichen das Risiko, dass sich in Berlin TeilnehmerInnen oder Referentinnen/Referenten mit dem Corona-Virus infizieren könnten, für nicht kalkulierbar.

  Pflegekammer NRW:
Steht vor Errichtung

Am 24. Juni 2020 hat der Landtag in Nordrhein-Westfalen ein Gesetz zur Errichtung einer Pflegekammer verabschiedet. CDU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen stimmten dem Gesetz zu. Die NRW-SPD nannte sie hingegen ein "Bürokratiemonster", das keine Arbeitsbedingungen und Löhne verbessere. Diese Einschätzung teilt auch der DVLAB. Das Land will die Pflegekammer in NRW in den ersten drei Jahre mit maximal fünf Millionen Euro als Anschubfinanzierung unterstützen. Langfristig soll sich die Kammer jedoch aus Gebühren und Beiträgen ihrer Mitglieder finanzieren.


 
Pflegekammer Niedersachsen:
Präsidentin erweckt falschen Eindruck

Derzeit wird gegen den Betreiber eines Pflegeheims im nieder-
sächsischen Celle ermittelt. Dort sollen Mitarbeitende mehrere Bewohner schwer misshandelt haben. Zu diesem Fall äußerte Nadya Klarmann (Foto), Präsidentin der Pflegekammer Niedersachsen, in einer Presseerklärung u.a.: "Die Rahmenbedingungen, unter denen die Pflegefachpersonen ihren Beruf ausüben, sind teilweise unhaltbar. (...) Die Kammerversammlung der Pflegekammer Niedersachsen wird sich mit Hochdruck damit beschäftigen, Lösungen zu entwickeln, wie zukünftig mit solchen Vorfällen umgegangen werden soll." Nach Auffassung des DVLAB erweckte Klarmann damit den fälschlichen Eindruck, als könne ihre Institution die Rahmenbedingungen wie Personalschlüssel oder Entlohnung verändern.
Zudem berichtet der NDR, dass die niedersächsische Pflegekammer nun an einem Meldesystem arbeite. Dieses solle dazu beitragen, dass Missstände einfacher und ohne Sorge vor negativen Folgen für Pflegekräfte oder Angehörige gemeldet werden könnten.

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