Pflegende Angehörige: Auch psychologische Hilfe fehlt
09.10.2026 - Eine australische Übersichtsstudie über 29 Studien aus Europa, den USA, Kanada und Australien zeigt: Pflegende Angehörige vernachlässigen sich und ihre eigenen Bedürfnisse oft und sind psychisch erheblich belastet.
Mehr als 81.000 pflegende Angehörige waren in die Auswertung einbezogen worden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Psychology & Health" publiziert. Danach möchte beispielsweise ein Drittel der privat Pflegenden zu Hilfen beraten werden – aber nur wenige nehmen eine solche Beratung dann auch in Anspruch. Oder ein anderes Beispiel: 40 Prozent wünschen sich zwar staatliche Angebote, etwa eine Telefonhotline oder krankheitsspezifische Informationen – aber nur 10 Prozent haben solche Möglichkeiten, wenn vorhanden, auch genutzt.
Das Hauptproblem pflegender Angehöriger liegt aber noch auf einem anderen Feld: Sie stellen laut der Erstautorin der Studie von der Universität Sydney die Bedürfnisse ihres Pflegebedürftigen chronisch über ihre eigenen, auch psychischen Bedürfnisse. Dies falle insbesondere in der schwersten Erkrankungsphase der betreuten Person auf, in der psychologische Unterstützung für die Angehörigen besonders wichtig wäre.
Aus der Auswertung geht auch hervor, dass pflegende Angehörige zumeist weiblich sind. Es sind überall die Frauen, die ihren Ehemann oder Partner pflegen und betreuen, wenn er chronisch erkrankt ist. Diese Frauen wünschen sich länderübergreifend vor allem Unterstützung in folgenden Fragen: Wie kann ich der Vereinsamung entkommen und meine sozialen Kontakte trotz meiner Situation als Pflegende aufrechtzuerhalten? Wie kann ich meine eigenen Ziele und Interessen an die Situation anpassen? Wie kann ich mit Veränderungen in unserer sexuellen Beziehung umgehen? Mit solchen Fragen stehen sie jedoch meist allein da.
Das Autorenteam der Übersichtsstudie verweist darauf, Depressionen und Angstzustände würden bei pflegenden Angehörigen häufiger auftreten als im Durchschnitt der Bevölkerung. Das ist nicht verwunderlich. Denn auch bei einiger Unterstützung etwa durch einen ambulanten Pflegedienst sind sie mit der Hauptverantwortung, Betreuung und vielfach auch der Pflege letztlich allein, was schwer auf den privaten Schultern lastet.
Deshalb halten es die Wissenschaftler*innen für sinnvoll, dass die Betroffenen zur Prävention regelmäßig auf psychische Belastungen untersucht werden, um ggf. rasch Unterstützung und Hilfe zu erfahren. Andernfalls drohe ihnen die Gefahr, selbst zu erkranken, was die Fortsetzung der häuslichen Pflege stark beeinträchtigen oder gar verunmöglichen würde.
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