Eigenanteile im Heim: Aktuell bei 3.236 Euro im Monat
06.10.2026 - Wer in einem Pflegeheim wohnt, zahlt im Bundesdurchschnitt zum 1. August 2026 aus eigener Tasche 3.236,89 Euro monatlich dazu. Das sind gut 40 Prozent mehr als im Jahr 2021 und immerhin 7,7 Prozent mehr als noch im Dezember 2025.
Diese Zahlen kann man einer Analyse von pflegemarkt.com entnehmen. Danach hat das Unternehmen aktuell die Kostendaten von 11.378 Pflegeheimen ausgewertet und somit gut 97 Prozent aller vollstationären Einrichtungen in Deutschland erfasst.
Dabei zeigen die monatlichen Eigenanteile laut Analyse im Vergleich der Bundesländer erhebliche Unterschiede auf. Am teuersten ist es danach im Saarland mit durchschnittlich 3.665,52 Euro, gefolgt von Bremen (3.569,80 Euro) und NRW (3.519,88 Euro). Die niedrigsten Eigenanteile müssen Pflegeheimbewohner*innen in Sachsen-Anhalt zahlen – nämlich 2.788,27 Euro im Monat.
Den größten Bereich am Gesamtbetrag stellen die Pflegekosten dar, die die Betreuung und Pflege durch das Personal beinhalten. Nach Abzug der Zuschüsse, die je nach Pflegegrad und Aufenthaltsdauer von den Pflegekassen gezahlt werden, tragen die Bewohnenden den sogenannten „einrichtungseinheitliche Eigenanteil“ (eeE) selbst. Der zweite Teil der Pflegekosten deckt die Unterkunft und Verpflegung (UuV) der Bewohnenden und ist ebenfalls vollständig aus eigener Tasche zu erbringen. Gleiches gilt für die Investitionskosten (Invest) als dritten Bereich, mit denen die Einrichtungen ihre Ausgaben für das Gebäude, die Ausstattung und Instandhaltung finanzieren. Auch diese Kosten tragen Bewohnende selbst.
Im August 2026 liegen die selbst aufzubringenden Kosten für Bewohnende von Pflegeheimen also bei bundesdurchschnittlich gut 3.200 Euro pro Monat. Aber auch zwischen den unterschiedlichen Trägerarten zeigen sich laut pflegemarkt.com erhebliche Unterschiede: Gemeinnützige Träger weisen mit 3.353 Euro die höchsten durchschnittlichen monatlichen Kosten auf, die von den Bewohnenden selbst bezahlt werden müssen. Kommunale Träger liegen mit 3.341 Euro auf ähnlichem Niveau. Private Träger zeigen im direkten Vergleich mit 3.071 Euro pro Monat die niedrigsten Durchschnittskosten. Damit lagen die Kosten privater Einrichtungen knapp 300 Euro beziehungsweise rund zehn Prozent unter denen kommunaler und freigemeinnütziger Träger.
Christopher Nolde, CEO der compassio Gruppe, sieht in dieser Information einen wichtigen Beitrag zur Versachlichung der bisherigen Debatte: „Die Analyse ist ein wichtiges Korrektiv in einer Debatte, die häufig stark von grundsätzlichen Annahmen über Trägerformen geprägt ist. Sie zeigt: Private Pflegeanbieter sind im Durchschnitt günstiger – und das über alle wesentlichen Kostenblöcke hinweg – und leisten zugleich einen erheblichen Beitrag zu neuen, dringend benötigten Pflegeplätzen. Das ist kein Argument gegen andere Träger, sondern ein Plädoyer dafür, genauer auf Qualität, Effizienz und Investitionsfähigkeit zu schauen. Wer Pflege bezahlbar und zukunftsfähig halten will, sollte erfolgreiche Strukturen stärken, unabhängig von der Trägerschaft.“
In einem abschließenden Ausblick schreibt pflegemarkt.com dann:
Unabhängig von den Unterschieden zwischen den Trägerarten werden die Kosten der stationären Pflege voraussichtlich weiter steigen. Personalkosten bleiben der größte Ausgabenblock. Gleichzeitig verschärft sich der Fachkräftemangel, während durch die Alterung der Bevölkerung der Bedarf an professioneller Pflege zunimmt.
Für immer mehr Bewohnerinnen und Bewohner wird es schwierig, die Eigenanteile dauerhaft aus eigenem Einkommen und Vermögen zu finanzieren. Reichen die eigenen Mittel nicht aus, übernimmt die Sozialhilfe die ungedeckten Kosten. Damit verschiebt sich die finanzielle Belastung von den Pflegebedürftigen zunehmend auf die Kommunen und letztlich auf die Steuerzahler. Reformen, die ausschließlich die Pflegeversicherung entlasten, lösen dieses Problem daher nicht zwangsläufig. Sie können die Kosten lediglich innerhalb des Sozialstaats verlagern.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht nur, wie stark die Eigenanteile begrenzt werden können. Es geht ebenso darum, wie Pflege effizient organisiert, ausreichend finanziert und die notwendige Infrastruktur geschaffen werden kann.
Der Vergleich der Trägerarten liefert dazu eine wichtige Erkenntnis: Wirtschaftlichkeit, Investitionen und bezahlbare Pflege schließen sich nicht grundsätzlich aus. Zugleich gilt: Unter den steigenden Kosten leiden Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige und Träger aller Formen. Die Daten sollten deshalb nicht als Lagerkampf verstanden werden, sondern als Beitrag zu einer sachlicheren Debatte über bezahlbare und zukunftsfähige Pflege.
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