DGG und DGGG: Alter(n) neu denken


10.09.2026 - Vom 23. bis 26. September 2026 kommen rund 1.000 Expert*innen aus Geriatrie, Gerontologie und Alternsforschung zum gemeinsamen Jahreskongress der DGG und DGGG auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt zusammen.

Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) wollen in Frankfurt fundamental neue Sichtweisen auf das Alter und das Altern aufzeigen. Unter dem Motto „Zukunft Alter(n): Perspektiven im Umbruch“ werden deshalb vier Tage lang neue Erkenntnisse und Lösungen für eine Gesellschaft des langen Lebens diskutiert.

Unter anderem wird am 25. September der renommierte US-amerikanische Gerontologe und Soziologe Prof. Dr. Richard A. Settersten (Foto) von der Oregon State University erwartet. In seiner Keynote lädt er dazu ein, Altern neu zu denken: nicht nur als biologischen Prozess, der sich ausschließlich im Individuum vollzieht, sondern zugleich als Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen.

Settersten ist davon überzeugt: Wer verstehen will, wie gesund, belastbar oder verletzlich ältere Menschen sind, muss weit früher ansetzen. „Wir können das Alter nicht verstehen, wenn wir nur alte Menschen betrachten. Wir müssen auch die Lebenswelten der Jüngeren verstehen, denn dort entsteht das Alter von morgen“, erklärt er. Neu sei die aktuelle Verdichtung von wirtschaftlicher Unsicherheit, politischen Spannungen, technologischen Umbrüchen und ökologischen Herausforderungen. „Die eigentliche Frage ist nicht nur, wie Menschen diese Polykrise erleben. Die Frage ist, ob diese Generation überhaupt noch genügend Zeit und Ressourcen hat, sich von einer Krise zu erholen, bevor die nächste Krise beginnt“, so Settersten.

Seine These: Altern geschieht nie losgelöst von der Welt, in der Menschen leben. Geschichte prägt sich in Biografien ein. Und Biografien schreiben Geschichte fort.

Welche Folgen historische Erfahrungen über Jahrzehnte hinweg haben können, zeigen langfristige Bevölkerungsstudien. Gemeinsam mit Kollegen hat Settersten zum Beispiel die Lebensverläufe von Menschen im 20. Jahrhundert untersucht. Die Ergebnisse machen deutlich: Gesellschaftliche Umbrüche verschwinden nicht mit ihrem Ende. Sie hinterlassen körperlich, psychisch und sozial Spuren. So horteten beispielsweise viele Menschen, die während der Weltwirtschaftskrise aufwuchsen, noch selbst Jahrzehnte später Lebensmittel oder vermieden jede Verschwendung, obwohl objektiv längst kein Mangel mehr bestand.

Nach Settersten kommt es eben nicht nur auf das reine Ereignis selbst an, sondern auch auf den Zeitpunkt im persönlichen Lebenslauf. Statt Schwierigkeiten vorschnell individuellen Defiziten zuzuschreiben, rückt er daher stärker in den Blick, welche gesellschaftlichen Veränderungen Menschen über Jahrzehnte hinweg erlebt haben und welche Spuren diese Erfahrungen hinterlassen. Deshalb wirbt der Wissenschaftler mit seiner Keynote dafür, biologische, medizinische und sozialwissenschaftliche Perspektiven enger miteinander zu verbinden. Denn wer Altern verstehen wolle, sollte nicht nur den Menschen betrachten, sondern auch die Welt, in der er alt wird.

Foto: richardsettersten.com

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