Deutscher Städtetag: Schlägt Alarm wegen der "Hilfe zur Pflege"


21.08.2026 - Der Deutsche Städtetag hat gefordert, die derzeitig als "Teilkasko" angelegte Pflegeversicherung in eine Pflegevollversicherung umzubauen. Das soll die für die Sozialhilfe und damit auch für die Hilfe zur Pflege zuständigen Kommunen entlasten.

Die AOK kommentiert in einer Presseerklärung zu diesem Thema: "Die Pflege-Ausgaben der Städte und Gemeinden machen inzwischen fast ein Drittel der Sozialhilfe aus." Nach den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) sind 2025 rund sechs Milliarden Euro aus den kommunalen Haushalten in die "Hilfe zur Pflege" geflossen – 13,3 Prozent mehr als 2024.

Diese Zahlen kennt natürlich auch Burkhard Jung (Foto), der Städtetagspräsident und Leipziger Oberbürgermeister. Gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) sagte er: „Mit einem Defizit von 30 Milliarden Euro jedes Jahr stehen die Kommunen komplett an der Wand.“ Laut Destatis stiegen die Nettoausgaben der Sozialhilfeträger im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf rund 21,5 Milliarden Euro. Der Anteil der Hilfe zur Pflege an den Gesamtausgaben wuchs „im dritten Jahr in Folge“ und habe 2025 bei 27,8 Prozent (2024: 23,6 Prozent) gelegen.

Jung sieht daher im Ausbau der Pflegeversicherung zu einer Vollversicherung einen Ausweg. "Dann würden Menschen, die ihr Leben lang hart gearbeitet haben, auch nicht mehr wegen der Pflegekosten in die Sozialhilfe fallen“, sagte er der NOZ und warnte: "Es kann doch nicht sein, dass das Sozialamt zur Regelfinanzierung der Pflege wird!"

Besonders die Lage der pflegebedürftigen Menschen in Ostdeutschland besorgt den Städtetagpräsidenten. Dort würden diejenigen, die den Eigenanteil im Heim nicht mehr bezahlen könnten, immer mehr werden. Nach Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) mussten Pflegeheimbewohner*innen Mitte 2026 im Bundesdurchschnitt 3.652 Euro pro Monat selbst aufbringen.

Angesichts dieser Entwicklung fordert der Deutsche Städtetag eine kurzfristige Deckelung der Eigenanteile. Dringend nötig sei eine vom Einkommen abhängige Obergrenze in der stationären Pflege. Und Länder wie Kommunen müssten diesen Deckel mitfinanzieren. Denn eine Pflegevollversicherung, das ist auch Burkhard Jung klar, wird nicht so schnell kommen. Den kommunalen Haushalte aber brächte eine solche Umstellung "Jahr für Jahr eine Entlastung in Milliardenhöhe".

Daher der Plan des Deutschen Städtetags: Der erste Schritt zur Vollkasko-Versicherung sei eine Begrenzung der Eigenanteile. Im zweiten Schritt müssten die Pflegekassen durch einen Bundeszuschuss entlastet werden. Und schließlich, in etwa fünf bis zehn Jahren, müsse die Umwandlung der Pflegeversicherung in eine Pflegevollversicherung folgen.

Foto: staedtetag.de/Michael Bader







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