Hitzeschutz in Pflegeheimen: ver.di fordert Sofortprogramm für Investitionen


17.08.2026 - Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat in seinem aktuellen Wochenbericht zu hitzebedingter Mortalität (15. bis 31. KW) mit 12.500 Sterbefällen seine Zahlen nach oben korrigiert. Wie bereits berichtet, sind davon ältere und alte Menschen überproportional betroffen.

Die diesjährigen Hitzewellen haben in den Pflegeeinrichtungen teils dramatische Folgen, wie auch ver.di aufzeigt. Eine stichprobenartige Blitzbefragung der Gewerkschaft unter mehr als 300 Beschäftigten in der stationären Altenpflege dokumentiert, dass die hohen Temperaturen eine große Gefahr für pflegebedürftige Menschen und eine extreme Belastung für das Personal darstellen.

„Ein Großteil der Pflegeeinrichtungen ist für solche Temperaturen nicht gewappnet. Die Aussagen der Beschäftigten zeigen zum Teil erschreckende Zustände“, erklärte das bei ver.di u.a. für den Fachbereich Gesundheit zuständige Bundesvorstandsmitglied Sylvia Bühler zu den Ergebnissen der Befragung. Teilweise seien in einigen Pflegeheimen Temperaturen von bis zu 45 Grad gemessen worden. "Diese sind für Beschäftigte unerträglich und können für Bewohnerinnen und Bewohner lebensgefährlich sein.“

Heißer als der Arbeitsschutz erlaubt

Im Hinblick auf die Beschäftigten lohnt sich aber auch ein Blick in die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A3.5 Raumtemperatur). Danach soll die Lufttemperatur in Arbeitsräumen 26 Grad nicht übersteigen. Tut es das doch, sollen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden. Ab 30 Grad müssen wirksame Maßnahmen gemäß Gefährdungsbeurteilung erfolgen, bei über 35 Grad ist der Raum für die Zeit der Überschreitung als Arbeitsraum ungeeignet.

Dem gegenüber hier die gemessenen Temperaturen, wie sie in der ver.di Befragung angegeben wurden:

► Schon morgens zwischen 6 und 8 Uhr wiesen 28 % der Pflegeeinrichtungen über 26 Grad auf.

► Zwischen 11 und 13 herrschten in 58 % der Einrichtungen über 26 Grad, in 18 % der Einrichtungen über 30 Grad und in immerhin 6 Prozent gar über 35 Grad.

► Die größte Hitze wurde zwischen 15 und 17 Uhr ermittelt: 42 % der Einrichtungen verzeichneten über 26 Grad, 33 % über 30 Grad und 15 % über 35 Grad.

► Selbst abends blieb es heiß: zwischen 20 und 22 Uhr über 26 Grad in 63 % der Einrichtungen und über 30 Grad in 16 % der Einrichtungen.

► Kaum kühler war es in der Nacht, wo immer noch 38 % der Einrichtungen über 26 Grad feststellten und einige sogar über 30 Grad.

"Alarmierende Schilderungen"

Laut ver.di berichteten mehrere Beschäftigte in der anonymisierten Befragung von schwerwiegenden gesundheitlichen Komplikationen bei den Bewohner*innen bis hin zu Todesfällen, die sie auf die Hitze zurückführen. „Diese Schilderungen sind alarmierend. Die aktuellen Erfahrungen müssen Anlass sein, den Investitionsstau in den Pflegeeinrichtungen endlich entschieden anzugehen“, forderte Bühler. Schon seit Jahren kämen die Länder ihrer Verpflichtung zur Finanzierung notwendiger Investitionen nur unzureichend nach, aber auch der Bund trage hierfür eine Verantwortung. „Bund und Länder müssen dringend ein Sofortprogramm für Hitzeschutz und energetische Sanierung von Pflegeeinrichtungen auflegen. Eine angemessene staatliche Finanzierung von Investitionen würde zudem die hohen Eigenbeiträge senken, die viele Bewohnerinnen und Bewohner überfordern.“ Derzeit wird den pflegebedürftigen Menschen ein Großteil der Investitionen in Rechnung gestellt.

Die Gewerkschafterin ist sich sicher, dass die Befragung zudem einen deutlichen Zusammenhang zwischen Personalnot, Überlastung und fehlendem Hitzeschutz aufzeigt. „Die schon im Alltag viel zu knappe Personalausstattung kollabiert in Hitzephasen vollständig“, sagte Bühler. „Einerseits kommt es vermehrt zu Krankheitsausfällen, andererseits sollen die Pflegepersonen zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner ergreifen. Diese Maßnahmen brauchen aber Zeit und somit mehr Personal.“ Nicht nur Pflegekräfte, auch Beschäftigte aus Service, Küche und Verwaltung berichteten von einer extrem hohen Belastung.

"Hier läuft etwas grundlegend schief"

Erschreckend ist für Bühler, dass Pflegekräfte immer noch allein in einer Schicht arbeiten müssen, vor allem nachts. "100 Bewohnerinnen und Bewohner und mehr mit einer einzigen Fachkraft sind offenbar keine Ausnahme.“ Professionelle Pflege sei unter diesen Bedingungen nicht möglich. "Und was ist, wenn dieser einzigen Pflegekraft selbst einmal schlecht wird? Hier läuft etwas grundlegend schief!“

Für ver.di liegt die Schlussfolgerung auf der Hand und mündet in die Forderung, dass die Bundesregierung ihre Pläne zur Pflegeversicherung gründlich überarbeiten muss. Oder wie Sylvia Bühler es formuliert: "Statt Kürzungen braucht es endlich bedarfsgerechte Vorgaben für den Personaleinsatz, die vollständig refinanziert werden müssen.“

Quelle: verdi.de

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