bad e.V.: "Das PNOG schürt Zukunftsangst!"


13.08.2026 - Der Tagespflege drohe das AUS, weil sie unbezahlbar werde, befürchtet der Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen (bad e.V.) in seiner jüngsten Presseerklärung. Seine Sorge gründet im geplanten Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG).

In der Tagespflege solle vordergründig zwar nicht gekürzt werden – "sie wird aber für viele Menschen künftig faktisch unbezahlbar gemacht", sagt Ole Bernatzki, Vorstandsmitglied im bad-Landesverband Niedersachsen, und erläutert dazu: Wer eine Tagespflege besuche, müsse Essen, Getränke, Unterkunft und weitere Kosten selbst tragen. "Je nach Pflegegrad und Anzahl der Besuchstage kommen da schnell mehrere Hundert Euro im Monat zusammen." Über den Entlastungsbetrag oder Leistungen der Verhinderungspflege konnten diese Kosten bisher zumindest teilweise abgefedert werden. "Genau diese Möglichkeiten sollen aber durch das PNOG eingeschränkt, gekürzt oder mit neuen Regeln so weit verkompliziert werden, dass sie für viele Pflegebedürftige praktisch nicht mehr nutzbar sind“, kritisiert Bernatzki.

Die Folgen für Pflegebedürftige und ihre An- und Zugehörigen: Wer das nicht aus eigener Tasche bezahlen kann, muss seine Besuchstage in der Tagespflege reduzieren oder ganz zu Hause bleiben. Bernatzki schildert die Konsequenz für Pflegebedürftige: "Weniger soziale Kontakte, weniger Aktivierung, weniger Teilhabe. Dafür gibt es wieder mehr Einsamkeit im eigenen Wohnzimmer." Und auch für die pflegenden An- und Zugehörigen hätte das Folgen: Weil die dringend benötigte Entlastung wegfalle, müssten sie dann noch mehr auffangen.

Die Folgen für Tagespflegeeinrichtungen: Auch ihnen prognostiziert Bernatzki eine düstere Zukunft, wenn die im PNOG geplanten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden. „Wenn Gäste ihre Eigenanteile nicht mehr bezahlen können, bleiben Plätze leer. Weniger Auslastung bedeutet weniger Einnahmen. Weniger Einnahmen bedeuten Standortschließungen.“

Weil das PNOG laut bad-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kapp (Foto) ihren Mitgliedern berechtigterweise Angst mache, appelliert sie direkt an den neuen Gesundheitsminister: „Wir wünschen uns nichts lieber als eine strukturelle und nachhaltige Reform der sozialen Pflegeversicherung (SPV). Es liegen konstruktive Vorschläge vor, die nicht zu solchen Verwerfungen führen! Statt Leistungen einzuschränken, müssen zunächst die eigentlichen Finanzierungsprobleme der Pflegeversicherung angegangen werden."

Dazu gehören aus Sicht des bad e.V.
● die vollständige Erstattung der pandemiebedingten Aufwendungen der sozialen Pflegeversicherung durch den Bund,
● die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen, insbesondere der Rentenversicherungsbeiträge für pflegende An- und Zugehörige, künftig aus Steuermitteln,
● eine Zusammenlegung oder ein fairer Ausgleich zwischen sozialer und privater Pflegeversicherung,
● eine Reduktion der Anzahl der Kranken- und Pflegekassen sowie
● die Einführung einer freiwilligen gesetzlichen Pflegevollversicherung der SPV.

Quelle und Foto: bad-ev.de

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