Berufliche Pflege: Arbeitsbedingungen und Gesundheit im Vergleich
07.08.2026 - Es erstaunt nicht, dass sich professionell Pflegende in ihren Tätigkeiten körperlich wie seelisch stärker belastet fühlen, als das in anderen Branchen der Fall ist. Umso überraschender, dass sie gleichzeitig ihr berufliches Wirken deutlich häufiger als wichtig und gesellschaftlich bedeutsam erleben.Zu diesen Ergebnissen kam die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA)/Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in der aktuellen Erwerbstätigenbefragung.
In die regelmäßige Analyse werden Beschäftigte in der ambulanten Pflege, der stationären Kurzzeit- und Langzeitpflege sowie der akutstationären Pflege im Krankenhaus einbezogen. Die Ergebnisse werden mit den Angaben abhängig Beschäftigter aus anderen Berufen verglichen.
Das aktuelle BAuA-Faktenblatt zeigt ein differenziertes Bild quer durch alle drei Pflegesettungs.
Arbeitsanforderungen
• Deutlich häufiger als Beschäftigte in anderen Berufen berichten professionell Pflegende von körperlichen Anforderungen wie häufiges Arbeiten im Stehen (85 bis 89 %, im Vergleich andere Berufe 45 %) sowie schweres Heben und Tragen (62 bis 69 %, andere Berufe 15%).
• Viel belastender werden auch die psychischen Anforderungen wie starker Termin- oder Leistungsdruck (66 bis 71 %, andere Berufe 43 %), Arbeitsunterbrechungen (61 bis 79 %, andere Berufe 43 %) oder oder gefühlsmäßig belastende Situationen (25 bis 29 %, andere Berufe 11 %) empfunden.
Arbeitsbezogene Ressourcen
• Berufliche Pflegende können viel seltener ihre eigene Arbeit planen und einteilen. In anderen Berufen können das 70 %, in der ambulanten sowie vollstationären Langzeitpflege sind das 58 % und in der akutstationären Pflege gar nur 48 %. Ebenso seltener als andere können Pflegekräfte den Zeitpunkt ihrer Pausen bestimmen (52 bis 41 %, in anderen Berufen 70 %).
• Aber: Dass ihre Tätigkeit wichtig ist, empfinden je nach Pflegesetting 92 bis 97 % der Pflegekräfte so, während diese Einschätzung in anderen Berufen nur zu 76 % vorherrscht.
• In anderen Berufen können 46 % der Beschäftigten die Ziele der Arbeit mitbestimmen. Im Pflegeberuf zeigt sich in dieser Frage ein binnendifferenziertes Bild: In der akutstationären Pflege sind das nur 32 %, in der Langzeitpflege immerhin schon 44 % – und in der ambulanten Pflege satte 60 %!
• Bei der Entscheidung, wie die Arbeit erledigt werden soll, liegen die Langzeitpflege und andere Berufe mit jeweils 83 % gleich auf, während das nur für 73 % Beschäftigte aus der vollstationären Akutpflege zutrifft. Aber auch hier hat die ambulante Pflege die Nase vorn: 89 % der Pflegekräfte bestimmen selbst über das Wie ihrer Arbeit.
Gesundheitliche Beschwerden
In diesem Fragekomplex liegt die Pflege wieder weit über dem Durchschnitt anderer Berufe.
• Pflegekräfte haben mehr Schmerzen im unteren Rücken (56 bis 65 %, andere Berufe 39 %) und im Schulter-Nackenbereich (58 bis 68 %, andere Berufe 45 %).
• Pflegekräfte leiden deutlich häufiger an nächtlichen Schlafstörungen (47 bis 60 %, andere Berufe 29 %).
• Auch Erschöpfung ist in der Pflege viel mehr verbreitet. Körperliche Erschöpfung empfinden zwischen 49 und 64 % Pflegekräfte (andere Berufe: 32 %), emotionale Erschöpfung geben bis zu 49 % der Befragten aus der Pflege an (andere Berufe: 29 %). Hierbei interessant: Emotionales Ausgelaugtsein taucht nur bei Beschäftigten in der Langzeitpflege und der Krankenhauspflege auf – von Pflegekräften in der Ambulanten Pflege kaum bis gar nicht.
Unterstützung
Interessant ist zudem, ob Pflegekräfte im Vergleich zu Beschäftigten aus anderen Berufen Unterstützung von Kolleg*innen oder Leitungskräften erhalten.
• Aus dem Kollegenkreis ist das in der ambulanten Pflege zu 70 %, in der stationären Langzeitpflege zu 66 % und im Krankenhaus zu 81 % der Fall. Der Durchschnitt in anderen Berufen liegt hier ebenfalls bei 81 %.
• Hilfe von direkten Vorgesetzten wird in allen drei Pflegebereichen unterdurchschnittlich verzeichnet (54 bis 57 %), denn der Wert für andere Berufe liegt hier bei 64 %.
Fazit
Das Autorenteam kommt zu folgender Schlussfolgerung: „Die Arbeitsbedingungen beruflich Pflegender unterscheiden sich deutlich von denen anderer Berufsgruppen. Pflegende berichten häufiger von hohen körperlichen und psychischen Arbeitsanforderungen, verfügen meist über geringere Handlungsspielräume und geben häufiger gesundheitliche Beeinträchtigungen an. Zum anderen wird deutlich, dass die Arbeitsbedingungen innerhalb der Pflege eine differenzierte Betrachtung erfordern.“ Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Gesundheit sollten daher pflegesettingspezifisch entwickelt werden, da die Anforderungen und Ressourcen in den drei pflegerischen Bereichen erheblich variieren können.
Quelle: Walter, Gabriele; Melzer, Marlen; Lück, Marcel; Rösler, Ulrike, 2026. Berufliche Pflege im stationären und ambulanten Bereich: Arbeitsbedingungen und Gesundheit im Vergleich. Dresden: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin. baua: Fakten
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