Studie in Pflegeheimen: Große Liquiditätsprobleme


17.06.2026 - Jedes fünfte Pflegeheim in Deutschland hat offene Forderungen im sechsstelligen Bereich, also ab 100.000 Euro. Als Ursache werden vor allem Zahlungsverzögerungen und ineffiziente Prozesse auf Seiten der Kostenträger identifiziert. Das sind zentrale Ergebnisse der Studie „Liquiditätsprobleme von Pflegeheimbetreibern und ihre Ursachen“ von PwC Deutschland und Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC.

Die Einrichtungen stehen aktuell vor einer komplexen Situation: Sie finanzieren sich auf der Basis von mehreren Kostenträgern – dazu zählen die Pflegeversicherung sowie Sozialhilfeträger und Selbstzahler. Die Zahlungen der verschiedenen Träger müssen zusammengeführt und zugeordnet werden. Viele Forderungen werden allerdings erst Monate nach Leistungserbringung beglichen, wird in der Studie festgestellt.

„Dadurch müssen die Pflegeheime in Vorleistung gehen und laufende Kosten zwischenfinanzieren. Dieser Liquiditätsengpass belastet in Zeiten von stark steigenden Personal-, Sach- und Finanzierungskosten selbst Häuser, die eigentlich wirtschaftlich tragfähig sind“, sagt Marcus Steffen Bauer, Partner Public Health bei Strategy& Deutschland.

Als besonders groß werden die Probleme in der Zusammenarbeit mit Sozialämtern beschrieben, die Hilfe zur Pflege leisten. So gaben 55 Prozent der befragten Heimleitungen aus 100 Einrichtungen an, dass die Sozialämter die höchsten offenen Posten aufweisen würden. Für Verzögerungen bei den Zahlungen sorgen vor allem fehlende Unterlagen und Nachweise (60 Prozent), gefolgt von unklaren Zuständigkeiten und Kostenträgerwechseln (45 Prozent). Laut Studie dauert die Bearbeitung zum Teil zwischen sechs und zwölf Monaten, in Einzelfällen sogar bis zu mehreren Jahren. Dadurch entstehe für Pflegeheime Vorfinanzierungen über lange Zeiträume, die ihnen erheblich zusetzen.

Festgestellt wird auch: Gerade weil der bürokratische Aufwand im Forderungsprozess enorm hoch sei, bindet die Bearbeitung offener Posten viel Arbeitszeit. Im Schnitt liegt dieser ermittelte Wert bei durchschnittlich rund einem Arbeitstag (8,3 Stunden) pro Einrichtung und Woche. Der Arbeitsaufwand sei auch deshalb hoch, weil knapp die Hälfte der Pflegeheime (46 Prozent) keinen standardisierten Forderungs- und Mahnprozess konsequent umsetzen würden, heißt es.

„Der hohe Bürokratieaufwand führt häufig dazu, dass Fälle liegenbleiben, Fristen verpasst werden und Eskalationen zu spät erfolgen“, so Marcus Steffen Bauer.

Was können Pflegeeinrichtungen tun, um ihr Forderungsmanagement zu verbessern und so ihre Liquidität zu erhöhen? Ein kurzfristiger Hebel wird darin gesehen, einen verbindlichen Standardprozess für offene Posten zu etablieren – vom Prüfen des Zahlungseingangs bis zur Mahnung. Ebenso wird es für sinnvoll erachtet, einheitliche Fallakten für alle Bewohner*innen zu erstellen, damit Unterlagen vollständig vorliegen, und offene Posten systematisch zu priorisieren, etwa nach Betragshöhe.

Mittelfristig reicht es laut PwC allerdings nicht aus, die Abläufe manuell besser zu organisieren. „Der eigentliche Hebel liegt in einer durchgängig digitalen Bearbeitung von Abrechnung, Forderungsmanagement und Zahlungszuordnung“, sagt Michael Ey, Leiter Global Health Services bei PwC Deutschland.

Quelle: pwc.de

zurück


DVLAB e.V.
Bahnhofsallee 16 | D-31134 Hildesheim
Telefon: 05121-2892872 | Telefax: 05121-2892879
E-Mail: info@dvlab.de
Impressum | Datenschutz
©
Admin
- 8797700 -