Lehren aus der Pandemie: Evangelische Heimstiftung mit sechs Forderungen


15.03.2026 - Heute vor sechs Jahren wurden Pflegeheime während der Corona-Pandemie deutschlandweit für Besucher*innen geschlossen. Diese Entscheidungen bewegte sich im Spannungsfeld zwischen Schutz und Teilhabe für Pflegebedürftige. Die Evangelische Heimstiftung hat das eigene Krisenmanagement in der Pandemie umfassend evaluiert – und richtet nun konkrete Forderungen an die Politik.

Die Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie“ soll der Bundesregierung bis zum Sommer 2027 konkrete Empfehlungen für den Umgang mit künftigen Gesundheitskrisen vorlegen. In diesen Prozess will sich die Heimstiftung sich aktiv einbringen, damit die Erfahrungen von Pflegeunternehmen aus erster Hand in die politische Arbeit einfließen und nicht aus dem Blick geraten.

Deshalb hat das Unternehmen parallel zur laufenden Kommissionsarbeit sein eigenes Krisenmanagement mit Blick auf künftige Krisen evaluiert. Im Zentrum stand auch die Frage, wie Schutz, Selbstbestimmung und soziale Teilhabe in Krisenzeiten stärker ausbalanciert werden können.

Das Fazit der Heimstiftung: "Krisen verlangen ein ständiges Abwägen, Lerneffekte und Zielkonflikte begleiten das gesamte Management. Wirklicher Schutz braucht künftig noch stärker den Blick auf Lebensqualität, nicht nur auf Risiken", heißt es in der Presseerklärung. Zudem zeige die Evaluation: "Nicht alles liegt in der Hand von Trägern und Einrichtungen – es braucht auch verlässliche gesetzliche Regelungen. Die Politik steht in der Pflicht, die richtigen Schlüsse zu ziehen."

Nun plädiert die Heimstiftung dafür, zentrale Weichen für eine bessere Krisenbewältigung zu stellen. Dafür erhebt sie sechs Forderungen an die Politik, die hier wörtlich wiedergegeben werden:

1. Erfahrungen der Träger systematisch einbeziehen
Einrichtungen setzen in Pandemiezeiten politische Vorgaben unter hohem Druck um. Dabei wird deutlich, welche Maßnahmen tragfähig sind und welche unbeabsichtigten Folgen entstehen. Die Enquete-Kommission muss diese Erfahrung einbinden: durch systematische Beteiligung von Pflegeunternehmen. So entstehen Lösungen, die sich in der Praxis bewähren.

2. Träger an der Auswahl von Schutzmaßnahmen beteiligen
Pauschale Schutzmaßnahmen verfehlen oft die Lebensrealität der Betroffenen und führen zu Isolation und psychischer Belastung. Entscheidend ist, Schutz, Teilhabe und Lebensqualität gegeneinander abzuwägen. Damit künftige Maßnahmen verhältnismäßig bleiben, müssen Träger frühzeitig einbezogen werden.

3. Verantwortung und Freiräume vor Ort ermöglichen
Zentrale Vorgaben bieten zwar Orientierung, stoßen in der Praxis aber an Grenzen, etwa wenn die Maßnahmen nicht zu örtlichen Bedingungen oder den Bedürfnissen der Kunden passen. Deshalb braucht es gesetzliche Rahmen, die Trägern mehr Verantwortung übertragen und Handlungssicherheit geben – etwa bei Besuchsregelungen oder Teststrategien.

4. Menschen nicht auf Verletzlichkeit reduzieren
In der Pandemie wurden Pflegebedürftige pauschal als schutzbedürftig betrachtet, ohne Blick auf den individuellen Gesundheitszustand. Das fördert Altersdiskriminierung und schränkt Selbstbestimmung ein. Künftige Strategien sollten ein differenziertes Altersbild fördern, persönliche Ressourcen berücksichtigen und Maßnahmen regelmäßig an der Realität der Betroffenen ausrichten. Zudem sollten flächendeckende Angebote zur gesundheitlichen Versorgungsplanung politisch forciert werden.

5. Fürsprache für pflegebedürftige Menschen stärken
Pflege- und betreuungsbedürftige Menschen leiden in Pandemiezeiten besonders unter einschränkenden Maßnahmen. Für verhältnismäßige Schutzkonzepte braucht es die systematische Beteiligung der Betroffenen.

6. Ethik, Palliativversorgung und Akademisierung fördern
Die Pandemie verdeutlicht, wie groß die ethischen Herausforderungen sind. Um in Dilemma-Situationen verantwortungsvoll zu handeln, braucht es flächendeckende, professionelle Ethikberatung. Ebenso entscheidend sind Palliativversorgung und wissenschaftliche Expertise. Die Politik muss den Einsatz akademisch qualifizierter Pflegefachpersonen und den Ausbau von Handlungsspielräumen vorantreiben.

Für die Heimstiftung sagt CEO Elke Eckart abschließend: „Wir wollen gemeinsam dafür sorgen, dass pflegebedürftige Menschen in der nächsten Krise nicht erneut zum Spielball von Verordnungen werden, sondern Mitsprache, Schutz und Lebensfreude gleichermaßen erfahren. Die Pflege braucht den Mut zu Ausgewogenheit und Menschlichkeit – und die passenden politischen Weichenstellungen."


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