Heimbewohner*innen: Müssen immer tiefer in die eigene Tasche greifen
22.07.2026 - Pflegebedürftige in Pflegeheimen müssen immer mehr aus eigener Tasche drauflegen. Das ergibt eine Auswertung des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) vom 1. Juli 2026. Im bundesweiten Durchschnitt kostet sie der Heimaufenthalt im ersten Aufenthaltsjahr derzeit jeden Monat 3.364 Euro. Das sind 256 Euro mehr als im Vorjahr.
Diese Kosten setzen sich zusammen aus dem sogenannten Einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) für die pflegerische Versorgung und die Ausbildungskosten der Pflegekräfte, den Investitionskosten für die Pflegeeinrichtung sowie den Kosten für Verpflegung und Unterkunft. Einen besonders hoher Anstieg zeigt sich dabei beim EEE. Er stieg im letzten Jahr laut vdek um mehr als zwölf Prozent – von 1.583 Euro monatlich im ersten Aufenthaltsjahr auf 1.775 Euro im Monat.
Der vdek verortet den enormen Kostenanstieg vor allem bei den gestiegenen Personalkosten. Es sei richtig, dass Pflegekräfte gut bezahlt werden, so der Verband. "Doch es kann nicht sein, dass das zu immer stärkeren Belastungen der Pflegebedürftigen führt. Wir brauchen eine Begrenzung des Kostenanstiegs. Die avisierte Pflegereform muss eine faire Lastenteilung und austarierte Eigenanteile erreichen“, sagte die Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner.
Etwas mehr als im vergangenen Jahr zahlen die Bewohner*innen im Bundesdurchschnitt auch für ihre Unterkunft und Verpflegung. Hier sind die monatlichen Kosten von 1.018 Euro auf 1.068 Euro gestiegen. Und bei den sogenannten Investitionskosten für den Bau oder die Instandhaltung der Gebäude beträgt der durchschnittliche Anteil pro Bewohner*innen und Monat aktuell 521 Euro (1. Juli 2025: 507 Euro).
Investitionskosten wie auch die Kosten für die Ausbildung der Pflegefachkräfte sind aber eigentlich Ländersache. Sie müssten also auch von diesen voll übernommen werden – werden jedoch faktisch auf den Eigenanteil der Bewohner*innen abgewälzt. Das kritisiert der DVLAB schon lange, und ebenso der vdek. Der rechnet vor: „Würden die zuständigen Bundesländer ihre Kosten für Investitionen und Ausbildung komplett übernehmen, müssten Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner auf einen Schlag monatlich 649 Euro weniger im Durchschnitt bezahlen.“
Wo ist der Heimaufenthalt am teuersten?
In der Hansestadt Bremen! Hier beträgt die finanzielle Belastung eines pflegebedürftigen Menschen im ersten Aufenthaltsjahr im Pflegeheim monatlich 3.761 Euro. Und darin sind die Zuschüsse der Pflegekasse, wie sie derzeit (noch) gezahlt werden, bereits eingerechnet:
● 15 % im ersten Jahr
● 30 % ab dem zweiten Jahr
● 50 % ab dem dritten Jahr
● 75 % ab dem vierten Jahr
Käme das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) so wie im Entwurf geplant, würden diese Zuschüsse jeweils erst später einsetzen – und die Bewohner*innen müssten noch mehr aus eigener Tasche bezahlen.
Einen Anstieg der finanziellen Belastung für Heimbewohner*innen verzeichnet der vdek in allen Bundesländern. Am "kostengünstigsten" ist für Pflegebedürftige ein Heimaufenthalt im ersten Jahr noch in Sachsen-Anhalt. Dort beträgt die monatliche Eigenbelastung durchschnittlich 2.891 Euro, wieder bereits inkl. Zuschüsse.
Zwischen diesen beiden Werten – 3.761 Euro in Bremen und 2.891 Euro in Sachsen-Anhalt – reihen sich die weiteren Bundesländer ein. Dass die Kosten so stark variieren, schreibt der vdek unter anderem dem ungleichen Engagement der Länder bei den Investitionskosten sowie den unterschiedlichen Personalkosten zu. Denn nach wie vor gibt es zwischen den Bundesländern abweichende Vorgaben für die personelle Ausstattung. Zwar sollten die Differenzen seit 2023 mit einem bundesweit geltenden Personalbemessungsinstrument, das einheitliche Obergrenzen und einen Schlüssel von Pflegefach- und Hilfskräften vorgibt, ausgeglichen werden, doch dieser Prozess gehe nur schleppend voran, so der vdek. Er fordert, hier zu einer vergleichbaren Kostenstruktur kommen, damit sie für die Bewohner*innen nachvollziehbar ist.
Quelle: vdek.com
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