GKV-Sparpaket: Von Bundestag und Bundesrat beschlossen


10.07.2026 - Das parlamentarische Verfahren zum GKV- Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist abgeschlossen. Nach dem Bundestag hat auch der Bundesrat am heutigen Freitag das Sparpaket von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken gebilligt.

Die Aussprache darüber im Bundestag wurde teilweise sehr kontrovers und hitzig geführt. Aus den Reihen der Oppositionsparteien wurde kritisiert, dass die von der Bundesregierung geplante GKV-Finanzreform unausgewogen sei und in der jetzt vorliegenden Form nicht ausreichen werde, um weitere Beitragsanstiege zu vermeiden. Sie verwiesen zudem darauf, dass die Finanzierungslücke in der GKV nach aktuellen Meldungen im laufenden Jahr nochmals um 3,5 Milliarden Euro höher ausfalle als erwartet.

Dr. Janosch Dahmen, Sprecher für Gesundheitspolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, sprach von einem „unzureichend wirksamen, unausgewogenen und offensichtlich schlecht gemachten Gesetz“. Er rügte: „Was Sie hier vorlegen, ist ein Kürzungskahlschlag mit der Rasenmähermethode, mitten hinein in die Versorgung.“ Dabei treffe es immer die Falschen. Zudem würden viele Krankenhäuser rote Zahlen schreiben und der hausärztlichen Versorgung werde der Boden unter den Füßen weggezogen noch bevor das Primärsystem greifen solle. „Sie wissen nicht, was Sie hier tun“, hielt er der Bundesregierung entgegen.
Dahmens Eilantrag, mit dem er zwei Tage zuvor das Bundesverfassungsgericht angerufen hatte, um am Freitag die Absetzung der Debatte im Bundestag zu erzielen, hatte Karlsruhe zurückgewiesen.

Nach Ansicht von Stella Merendino, Fraktion Die Linke, sollten vor allem die Mitarbeitenden in den Gesundheitseinrichtungen entlastet werden. Diese Menschen seien teilweise an Ende ihrer Kraft, würden aber als unerschöpfliche Ressource angesehen. Der Bundesregierung warf sie vor, das System und die Beschäftigten immer weiter zu belasten. „Sie sparen, wo Menschen gepflegt, behandelt und gerettet werden.“ Nach Merendino wäre es möglich gewesen, eine solidarische Gesundheitsversicherung einzuführen, hohe Einkommen und Kapital zu besteuern. Stattdessen werde eine „Feuerlöschermedizin“ betrieben. Sie bezweifelte, dass die Mitarbeitenden unter diesen Bedingungen im Beruf verweilen möchten.

Martin Sichert von der AfD nannte das Gesetz "eine echte Katastrophe“ und beklagte an die Adresse der Bundesregierung: „Sie lösen keine Probleme, sie schaffen nur neue.“ Mit diesem „Rundum-Kahlschlag“ würden Steuer- und Beitragszahler als Melkkühe missbraucht. Dabei sei die Belastungsgrenze für viele Bürger*innen schon überschritten. Da helfe es nicht, ein unzureichendes Gesetz im Eilverfahren durchzupeitschen.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verteidigte hingegen das Sparpaket. Es gehe darum, Einnahmen und Ausgaben in der GVK „wieder ins Gleichgewicht zu bringen.“ Der Handlungsbedarf sei angesichts des milliardenschweren Defizits groß. Aus ihrer Sicht sind stabile Beiträge nicht nur für die Versicherten, sondern auch für die Unternehmen und deren Planungssicherheit wichtig. „Nur eine solide und stabile Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung garantiert eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung“, so Warken. Es gehe letztlich darum, eine hochwertige, verlässliche und bezahlbare Gesundheitsversorgung sicherzustellen. Die Ministerin räumte allerdings ein, dass die Reform viele Veränderungen und Belastungen mit sich bringe. „Unser Gesetz verlangt allen etwas ab", betonte sie, "aber von niemandem etwas Unzumutbares“.

Seitens des Koalitionspartners SPD appellierte Dr. Christos Pantazis ans Plenum: „Wir dürfen nicht zulassen, dass die finanzielle Stabilität der Gesetzlichen Krankenversicherung weiter erodiert." Die Lage sei ernst. "Nichts tun wäre die teuerste und unsozialste aller Optionen." Es dürfte aber keine einseitigen Belastungen geben, und niemand dürfe überfordert werden. Daher werde der Gesetzentwurf auf seine soziale Ausgewogenheit hin überprüft. Zugleich machte Pantazis deutlich, dass diese Finanzreform nur der Einstieg sei in weitere, dann strukturelle Veränderungen.

Auch Simone Borchardt (CDU/CSU) gab zu erkennen, dass in den parlamentarischen Beratungen noch Raum für Änderungen sei. Alle 66 Vorschläge der Fachkommission würden noch einmal angeschaut und geprüft werden.

Im Anschluss an die Aussprache wurden im Bundestag 318 Stimmen für das GKV-Sparpaket gezählt und 284 Stimmen dagegen. Vier Abgeordnete enthielten sich, 24 Abgeordnete haben nicht abgestimmt.

Auch im Bundesrat votierten die Länder dann am Nachmittag für das Gesetz. Ein Antrag in der Länderkammer, den Vermittlungsausschuss anzurufen, wurde abgelehnt.





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