Sachsen-Anhalt: AfD-Pläne für die Pflegepolitik


26.05.2026 - Deutschland blickt besorgt auf Sachsen-Anhalt, wo am 6. September 2026 ein neuer Landtag gewählt wird. Prognostisch hat die AfD in dem Bundesland mit derzeit etwa 42% die Nase weit vor jeder anderen Partei, sie strebt in Sachsen-Anhalt sogar die absolute Mehrheit an. Schaut man dort ins Regierungsprogramm der AfD, so entdeckt man tiefgreifende geplante Änderungen in der Landespflegepolitik.

Weil ein Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt, der nicht automatisch auch die Regierungsübernahme bedeutet, immer wahrscheinlicher wird, fasst der DVLAB hier geplante Änderungen zu reinen Informationszwecken sachlich zusammen. Dies bedeutet ausdrücklich nicht, dass der DVLAB die AfD in irgendeiner Weise unterstützt!

Das will die AfD in Sachsen-Anhalt

Die AfD Sachsen-Anhalt beschreibt in ihrem Regierungsprogramm für die Landtagswahl 2026 einen grundlegenden Umbau der Alten- und Pflegepolitik. Sie will stärkere Familienpflege, weniger staatliche Regulierung, eine Neuausrichtung der Finanzierung und keine ausländischen Pflegekräfte.

Zu den angekündigten Vorhaben gehören:

„Ambulant vor stationär“ deutlich ausbauen: Pflegebedürftige sollen möglichst lange zuhause versorgt werden. Stationäre Pflegeheime sieht die AfD eher als Ergänzung oder Auffanglösung, wenn familiäre Pflege nicht möglich ist. Angehörige sollen finanziell stärker unterstützt werden, damit mehr Pflege innerhalb der Familie übernommen wird.

Pflegende Angehörige stärker fördern: Die Partei fordert höhere finanzielle Anerkennung für Familienmitglieder, die Pflege übernehmen. Auch Kurzzeit-, Verhinderungs- und Entlastungspflege sollen ausgebaut werden, damit Angehörige zeitweise entlastet werden können. Konkrete Finanzierungsmodelle bleiben allerdings oft offen.

Zusammenlegung von Kranken- und Pflegeversicherung prüfen:
Nach Vorstellungen der AfD sollen Doppelstrukturen reduziert und Verwaltungskosten gesenkt werden. Die Partei spricht von einer „zukunftssicheren Kranken- und Pflegeversicherung“.

Mehr Deregulierung und Bürokratieabbau in der Pflege:
Die Pflegebranche soll von Dokumentationspflichten und Vorgaben entlastet werden. Die AfD argumentiert, Pflegekräfte müssten wieder mehr Zeit für Patienten statt für Verwaltung aufbringen können.

Kritik an steigenden Pflegekosten: Die AfD Sachsen-Anhalt thematisiert massiv steigende Eigenanteile in Pflegeheimen und warnt vor wachsender Altersarmut. Sie fordert politische Maßnahmen gegen die finanzielle Überforderung Pflegebedürftiger.

Ablehnung gegenüber Zuwanderung als Lösung des Pflegekräftemangels: Die AfD will nahezu ausschließlich auf inländische Ausbildung, Familienpflege und höhere Erwerbsanreize für deutsche Pflegekräfte setzen. Geplante Instrumente sind u.a. eine Technisierungs-, Digitalisierungs- und KI-Strategie, ein Rückkehrprogramm für ausgewanderte deutsche Pflegefachkräfte mit Rückkehrprämie sowie langfristig eine erhoffte "Geburtenwende".

Stärkere nationale bzw. „patriotische“ Ausrichtung sozialer Förderung: Das Regierungsprogramm enthält allgemein die Forderung, staatliche Förderung stärker an ein „Bekenntnis“ zu deutscher Identität und gesellschaftlichen Leitbildern zu koppeln.

Kritiker*innen — darunter nicht nur Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften und politische Gegner — warnen davor, dass viele Vorschläge der AfD Sachsen-Anhalt unkonkret und ausländerfeindlich sind und insbesondere die starke Verlagerung auf Familienpflege neue Belastungen für Angehörige schaffen könnte. Zudem wird zu Recht befürchtet, dass der Fachkräftemangel ohne internationale Zuwanderung nicht lösbar ist.

Auch Abschaffung der Generalistischen Pflegeausbildung gefordert

Die AfD Sachsen-Anhalt will ausdrücklich auch die generalistische Pflegeausbildung abschaffen und zu getrennten Ausbildungswegen zurückkehren. Das gehört zu den zentralen pflegepolitischen Punkten ihres Programms.

Die Partei argumentiert, die seit 2020 bestehende Zusammenführung von Altenpflege, Krankenpflege und Kinderkrankenpflege habe zu einem „Verlust an fachlicher Tiefe“ geführt. Deshalb solle wieder wie früher getrennt ausgebildet werden — also eigenständige Ausbildungsgänge für alle drei Pflegebereiche.

Die AfD-Fraktion im Landtag formulierte dazu Anfang 2026 sogar einen konkreten Antrag mit dem Titel: „Rückkehr zur spezialisierten Pflegeausbildung in Sachsen-Anhalt – Abschaffung der generalistischen Pflegeausbildung“. Im Antrag heißt es sinngemäß, die generalistische Ausbildung werde den Anforderungen der einzelnen Pflegebereiche nicht gerecht. Einrichtungen beklagen laut AfD mangelnde Spezialisierung und zu geringe Praxisorientierung.

Es ist allerdings politisch und rechtlich nicht umsetzbar, in Sachsen-Anhalt die Generalistik abzuschaffen, weil die Pflegeausbildung bundesrechtlich über das Pflegeberufegesetz geregelt ist. Sachsen-Anhalt könnte die Generalistik daher nicht allein abschaffen, sondern müsste Änderungen im Bund erwirken.

Quelle: afd-regierungsprogramm.de


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