Pflegereform: Viel Kritik an durchgesickerten Plänen
27.04.2026 - Die öffentlich gewordenen ersten Bausteine für eine Pflegereform haben bundesweit deutliche Kritik hervorgerufen. Zuerst hatte das Redaktionsnetzwerk Deutschland vom Vorhaben der Bundesgesundheitsministerin Nina Warken berichtet.
Danach sollen
▶︎ die gestaffelten Zuschläge, die den Eigenanteil von Heimbewohner*innen mindern, nicht mehr jeweils nach 12 Monaten Heimaufenthalt steigen, sondern jeweils erst nach 18 Monaten. Dadurch würden Heimbewohner länger als jetzt mehr aus eigener Tasche bezahlen müssen. bpa-Präsident Bernd Meurer beziffert diese Mehrkosten mit knapp 1.800 Euro in den ersten zwei Jahren Heimaufenthalt.
▶︎ die Kriterien für die Anerkennung eines Pflegegrades
verschärft werden.
Insbesondere dass die Eigenanteile von Heimbewohner*innen nicht begrenzt werden sollen, wie es quer durch die Parteien versprochen worden war, sondern dass sie im Gegenteil zu noch größerer Belastung führen sollen, empört viele.
Einige Kommentare
bpa-Präsident Meurer sprach bereits von „Wählertäuschung“. Der Chef der Krankenkasse DAK, Andreas Storm, warnte, Pflegeheime könnten für immer mehr Menschen zur "Armutsfalle" werden. Scharfe Kritik kam aus ähnlichen Gründen auch von den GRÜNEN und der Fraktion der LINKEN.
Der Bremer Gesundheitsökonom Prof. Dr. Heinz Rothgang, Autor auch des 3. Gutachtens zur „Alternativen Ausgestaltung der Pflegeversicherung“, sagte gegenüber dem „Handelsblatt“: „Die geplanten Maßnahmen brechen ein zentrales Versprechen des Sozialstaats.“ Ausgerechnet die Schwächsten treffe es am stärksten. Würden die Zuschüsse wie durchgesickert zeitlich tatsächlich gestreckt werden, so greife die höchste Entlastungsstufe bei den Eingenanteilen erst nach viereinhalb Jahren. „Doch so lange überlebt nur eine kleine Minderheit im Heim.“
Auch Prof. Dr. Stefan Schmidt, Professor für Klinische Pflege mit dem Schwerpunkt Pflege- und Versorgungskonzepte an der Hochschule Neubrandenburg, hält diesen Ansatz einer Pflegereform aus pflegewissenschaftlicher Perspektive für „in seiner Grundlogik fasch“. Auf LinkedIn führte Schmidt aus, sozialstaatliche Sicherungssysteme hätten ihre Legitimation in der Kollektivierung von Risiken. Würden dagegen Eigenanteile erhöht oder Zugänge zur Anerkennung von Pflegebedürftigkeit begrenzt, werde dieses Prinzip faktisch umgekehrt. Der Pflegewissenschaftler sieht durch die Versorgungsforschung belegt, dass eingeschränkter Zugang nicht spare, sondern Probleme verschiebe. So würden Versorgungslücken zu Komplikationen, mehr Klinikaufenthalten und langfristig höheren Kosten führen, bei gleichzeitig schlechteren Outcomes. Schmidt warnte vor der Ignorierung der zentralen Erkenntnisse der Pflege- und Versorgungsforschung. Andernfalls drohe statt einer Stabilisierung eine Destabilisierung des Systems – „mit langfristigen Folgen für Qualität, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit.“
Auch der DVLAB hat die geplanten Maßnahmen mit Bedenken zur Kenntnis genommen. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie die Vorschläge der Gesundheitsministerin am Ende tatsächlich aussehen werden. Sie sollen Mitte Mai vorliegen.
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