30. Bundeskongress: Der zweite Tag
04.12.2025 - Der 30. Bundeskongress des DVLAB am 27. und 28. November 2025 in Berlin widmete sich dem Thema Neuausrichtung der Altenhilfe statt Leistungsabbau. Am zweiten Tag ging es angesichts der demografiebedingten Entwicklung der Altenhilfe schwerpunktmäßig um handlungsorientierte konkrete Umsetzungsoptionen für Leitungskräfte. Lesen Sie hier eine Zusammenfassung vom zweiten Kongresstag.
Prof. Dr. Thomas Druyen: Menschliche und künstliche Intelligenz in der Altenhilfe
Wissenschaftler, Autor, Redner, Manager, Motivator und Publizist. Zukunftspsychologe, Institutsleiter an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien, ordentlicher Universitätsprofessor in den Bereichen Alters- und Generationensoziologie. Die Wirkungsfelder von Thomas Druyen sind beachtlich. Auf dem 30. Bundeskongress spricht er über Veränderungen, deren Ausmaß er im Geschichtsverlauf als „gigantisch“ beschreibt. Die heutige Herausforderung – und Chance, sowohl für die Altenhilfe als auch persönlich – ist für Druyen die Künstliche Intelligenz (KI). Er rät beispielsweise dazu, dass jeder sein Gehirn mit KI täglich „boosten“ sollte. Dabei bekommt jeder genau jene Lerninhalte und -methoden geboten, die für seine Entwicklung und Arbeit unmittelbar am hilfreichsten sind. „Und das kostenfrei“, so Druyen. Derartige KI-basierte Prozesse würden dabei helfen, adaptives Lernen noch gezielter umzusetzen und Wissen durch individuelle Trainingsunterstützung effizienter zu machen.
Hier eine Zusammenfassung des Vortrages von Prof. Dr. Druyen
Vera Starker: Raus aus der Krise – Führung mit Zuversicht
Sie ist u.a. Wirtschaftspsychologin – und mit Herz und Seele aicj Coaching. Das ist Vera Starkers Vortrag anzumerken. Ihre zentrale Botschaft: „Wartet nicht, bis etwas anders wird, sondern geht jetzt damit um. Denn neues Lernen hilft, mit Ungewissheit umzugehen.“ Andernfalls würden „Jammerzirkel“ in Organisationen oder Einrichtungen entstehen, die nur die Krisenstimmung befördern und anfeuern. Aus Starkers Sicht deutlich sinnvoller: Räume schaffen für Ideen und Lösungsansätze und persönlich ein proportionierter Medienkonsum, auch damit man nicht durch zu viele schlechte Nachrichten auf die „Geisterbahn“ gerät. Kurz: „Krisenenergie nützt niemandem – wenn wir Lösungen finden wollen, brauchen wir Zuversicht und Denkenergie.“ Auch in Einrichtungen und Diensten der Altenhilfe.
Hier eine Zusammenfassung des Vortrages von Vera Starker
Anne-Kristin Rahn: Smart & hygienisch rein
Die Expertin Digitaler Prozesse und Applikationen bei der GRS Services Hamburg thematisiert, welche Chancen sich ergeben, wenn KI in der Hauswirtschaft mitarbeitet. „Denn Maschinen (Roboter) werden immer schlauer, erkennen immer mehr und können heute teils sogar ihren Wartungsbedarf ansagen.“ Für den Bereich der Gebäudereinigung seibeispielsweise der Einsatz von Cobots zunehmend von wachsendem Wert, schon weil diese „Mitarbeiter“ monotone Aufgaben übernehmen und sich der Mensch dadurch stärker auf die Qualität und den Service konzentrieren kann. In diesem Sinne kann Hygiene 4.0 bedeuten: Effizienzsteigerung, personelle Entlastung und Qualitätsverbesserung – auch wenn der Einsatz einer neuen Technologie eine Ergänzung bleibt, jedoch kein Ersatz für den Mitarbeitenden ist. „Bei KI-gesteuerten Prozessen geht es nämlich immer um das Mensch-Roboter-Team.“
Hier eine Zusammenfassung des Vortrages von Anne-Kristin Rahn
Karla Kämmer: Erweiterte Kompetenzen in der Pflege
Die Pflegeberufefrage ist im Leistungsrecht angekommen, sagt Karla Kämmer. Die Sozialwissenschaftlerin und Organisationsberaterin von der Karla Kämmer Beratungsgesellschaft spricht auf dem Bundeskongress zum Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP). Es soll u.a. nach §4 PflBG die Rolle der Pflegefachkräfte durch Vorbehaltsaufgaben stärken und ihnen mehr Handlungsautonomie für die übertragenen Pflegeprozesse geben. Kämmer macht den Leitungskräften Mut, sich auf den entsprechenden Weg zu machen, klare Strukturen in ihren Einrichtungen und Diensten aufzubauen und die Mitarbeitenden mit ihren jeweiligen Kompetenzprofilen dort einzubetten. Das verlangt nach „beidhändigem Führen“, so die Expertin: „Mit der linken Hand an der Zukunft, mit der rechten Hand am Alltag.“
Hier eine Zusammenfassung des Vortrages von Karla Kämmer
Prof. Dr. Christian Karagiannidis: Gesundheit heute und morgen sichern
Der Internist leitet das ECMO-Zentrum Köln-Merheim und ist u.a. auch Mitautor des vielbeachteten Buches Die Gesundheit der Zukunft – Wie wir das System wieder fit machen. Er beschreibt, dass schon heute das Gesundheitssystem enorm belastet ist, aber die große Pflegelast bis Ende der 30er Jahre erst noch kommt. Seine These: Prävention – vor allem in den Bereichen Rauchen, Alkohol und Zucker – ist der Schlüssel zu mehr und länger anhaltenden Gesundheit. Und auch in der Langzeitpflege setzt Karagiannidis auf Prävention etwa durch Ausdauer- und Schnellkrafttraining. „Viel Bewegung und dazu auch eine Aufgabe haben, das verlängert die gesunde, mobile Lebenszeit“, sagt er und plädiert darüber hinaus auch für den Einsatz von KI in der Pflege. Seine Kritik: Das Gesundheitssystem in Deutschland belohne derzeit nicht Prävention, sondern „Reparatur“.
Hier eine Zusammenfassung des Vortrages von Prof. Dr. Christian Karagiannidis
Andrè Dietz: „Herbstresidenz“ – 90 Tage, 10 Azubis, 1 Mission
Der bekannte Schauspieler hält zum Ende des Kongreses den Schlussvortrag. Er zeigt vorab einen Trailer zur TV-Serie „Herbstresidenz“. Diese Dokumentation macht bildlich deutlich, wie André Dietz und der Fernsehkoch Tim Mälzer versucht haben, „ein Pflegeheim auf links zu drehen“. Und zwar durch die Beteiligung von 10 jungen Menschen mit Behinderung, die das Pflegepersonal drei Monate lang entlastet haben. Dietz, selbst Vater einer stark beeinträchtigten Tochter, brennt für Inklusion, war sich am Anfang aber unsicher, ob das Experiment gelingen wird. Es gelang. “Nachdem das Eis zwischen den Bewohnern und den Azubis nach wenigen Minuten gebrochen war, kam Leben in die Bude.“ In den bis dahin verwaisten Küchen auf den Wohnbereichen wurde jetzt geschnibbelt und gekocht sowie an langen Tafeln mit weißen Tischdecken gespeist, der Alltag war neu durchzogen von Ausflügen und anderen Unternehmungen, die Wände bekamen farbige Anstriche, die Wohnbereiche Dekoration. André Dietz sagt: „Die Bewohner blühten auf, fühlten sich viel stärker Zuhause, überall kamen ihre Persönlichkeiten wieder zum Vorschein.“ Die Pflegedienstleitung habe zurückgemeldet, dass auch der Bedarf an Medikamenten gesunken sei, der Erfolg des Experimentes sei also auch messbar gewesen. Selbstkritisch merkt er jedoch an, mit dem Personal noch viel zu wenig gesprochen zu haben, „einige haben sich nicht mitgenommen gefühlt“. Dietz Fazit: „Inklusion ist machbar – aber man muss viel investieren.“
Hier eine Zusammenfassung des Vortrages von André Dietz
Das Foto zeigt André Dietz vor seinem Vortrag mit Jessica Vornkahl von der DVLAB-Geschäftsstelle
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