Krankenstand in der Altenpflege: Senken mit jedem nur erdenklichen Mittel?


14.05.2024 - Der Krankenstand unter Altenpflegekräften war 2023 mit durchschnittlich 34,2 krankheitsbedingten Fehltagen so hoch wie nie. Das vermeldet die Techniker Krankenkasse (TK) aktuell und bestätigte damit die Zahlen, die die AOK bereits im Februar vorgelegt hatte.

Dieser Höchstwert liegt fast doppelt so hoch wie der Durchschnittswert aller beschäftigt Versicherten der TK mit Krankschreibungen an 18,6 Tagen im Jahr 2023. Der traurige Trend zeigt in der Altenhilfe schon länger nach oben: Im Jahr 2021 verzeichnete die TK noch durchschnittlich 25,8 Krankheitstage in der Altenpflege, im Jahr 2022 waren es schon 32,1 Tage. Der "Aufwärtstrend" setzt sich 2023 fort.

Die TK hat auch die Ursachen der Krankschreibungen ausgewertet. Danach sind in der Altenpflege psychische Belastungen mit durchschnittlich 7,1 Fehltagen der häufigste Grund, gefolgt von Rückenproblemen an durchschnittlich 6,6 Tagen. Das spricht Bände!

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen und Entwicklungen erscheint es zunächst einleuchtend, dass Einrichtungen den Krankenstand ihrer Pflegekräfte senken wollen. Denn andere Mitarbeitende müssen bei der ohnehin knappen Personaldecke für eine erkrankte Pflegekraft einspringen, was wiederum Mehrarbeit und Mehrbelastung für die (noch) Gesunden bedeutet und ihr Erkrankungsrisiko erhöht.

Dennoch bleibt zu fragen, ob für das Ziel, den Krankenstand in einer Einrichtung oder einem Dienst der Altenpflege verringern zu wollen, zu jedem erdenklichen Mittel gegriffen werden sollte. Der Pflegeheimbetreiber Domus Cura aus Stuttgart hat für seine zehn Einrichtungen in Baden-Württemberg zum Beispiel folgendes Versprechen abgegeben: Für jedes Quartal, in dem jemand keine Krankschreibung vorlegt, erhält derjenige bis zu drei zusätzliche Tage Urlaub.

Die Praktik einer "Anwesenheitsprämie" ist teils auch aus anderen Einrichtungen schon bekannt geworden. Aber ist sie auch zielführend? Laut Domus Cura sollen Pflegekräfte damit motiviert werden, mehr in ihre Gesundheit zu investieren. Unter dem Strich könnte aber lediglich dabei herauskommen, dass noch mehr Mitarbeitende als bereits jetzt (vergl. BARMER-Studie) trotz Erkrankung zur Arbeit erscheinen. Das kann niemand wollen.

Abgesehen davon bringt jede Pflegekraft ihre ganz eigenen gesundheitlichen Voraussetzungen mit. Die einen sind mit mehr Robustheit ausgestattet, andere mit weniger, einige tragen auch von vornherein die Last einer chronischen Erkrankung. Und auch die persönliche soziale Situation, die für die Gesundheit bzw. eine Erkrankung eine große Rolle spielt, ist bei jedem anders. Dies über einen Kamm zu scheren hieße, das Gleichbehandlungsgesetz zu verletzen.

Ja, ein Stück weit kann sicher jeder Einzelne etwas dafür tun, bestmöglich gesund und arbeitsfähig zu bleiben. Krank zur Arbeit zu erscheinen, gehört bestimmt nicht dazu.
Ein großes Stück sollten aber auch Arbeitgeber*innen dazu beitragen – etwa durch ein positives Arbeitsklima und vernünftige Dienstpläne, durch Wertschätzung für die Mitarbeitenden und vor allem durch vielfältige Angebote der betrieblichen Gesundheitsförderung. Hier könnten sie gut bei den Rückenprobleme als eine der Hauptursachen für Krankschreibungen von Pflegekräften ansetzen. Oder sie könnten ihren Mitarbeitenden angesichts deren hohen psychischen Belastungen eine externe psycho-soziale Unterstützung zu beruflichen wie privaten Themen ermöglichen.

Die Verantwortung jedoch einseitig auf die Pflegekräfte abzuwälzen mit der Botschaft, wer sich um seine Gesundheit kümmere, werde auch nicht erkranken und dafür dann belohnt, ist jedoch völlig daneben. Denn niemand hat sein Gesundsein bzw. Gesundbleiben vollständig selbst in der Hand. Und in der Altenpflege schon gar nicht!










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