Angst vor Pflegebedürftigkeit: In der Bevölkerung sprunghaft angestiegen


13.05.2024 - Seit über 30 Jahren befragt die R+V Versicherung die Bundesbürger*innen nach ihren größten Sorgen. Zum "Tag der Pflege" am 12. Mai hat sie die neuesten Zahlen aus ihrer Langzeitstudie öffentlich gemacht. Sie zeigen: Die Angst vor Pflegedürftigkeit ist 2023 sprunghaft angestiegen.

„Die Angst vor Pflegebedürftigkeit ist in unserer Langzeitstudie ein Dauerbrenner, sie liegt immer bei über 40 Prozent“, sagt Grischa Brower-Rabinowitsch, Leiter der Studie „Die Ängste der Deutschen“. „In der aktuellen Befragung erreicht sie 48 Prozent und ist damit deutlich größer als in den Vorjahren.“ Fast die Hälfte der Deutschen befürchtet also, im Alter auf andere angewiesen zu sein.

Dabei ist nicht verwunderlich: Je älter die Menschen sind, desto größer wird die Angst vor Pflegebedürftigkeit. Teenager machen sich am wenigsten Sorgen (21 Prozent), ganz anders die Menschen über 60 Jahren: Deutlich mehr als die Hälfte (62 Prozent) dieser Gruppe befürchtet, später Hilfe zu benötigen. Diese Sorge ist bei Frauen deutlich ausgeprägter als bei Männern (51 zu 45 Prozent) – wohl auch aufgrund ihrer durchschnittlich höheren Lebenserwartung.

Dies alles war erwartbar – nicht jedoch der sprunghafte Anstieg der Besorgnis. Wie lässt er sich erklären?

• Ganz sicher hat die gestiegene Angst vor Pflegebedürftigkeit und vor dem Angewiesenen auf Hilfe auch mit den ständig steigenden Eigenanteilen zu tun, die immer mehr Pflegebedürftige nicht mehr aufbringen können. So liegt beispielsweise der durchschnittliche Eigenanteil für einen Pflegeheimplatz im ersten Jahr des Aufenthalts zurzeit bei rund 2.600 Euro im Monat, rechnet die R+V Versicherung vor.

• Außerdem ist den Bürger*innen auch der chronische Personalmangel in der Langzeitpflege nicht verborgen geblieben. Es vergeht kaum ein Tag, an dem darauf nicht öffentlich hingewiesen wird. Und auch die Auswirkungen des Personalmangels sind in der Bevölkerung mittlerweile angekommen, etwa dass ambulante Pflegedienste deshalb keine neuen Kundinnen/Kunden mehr aufnehmen und auch ihre Leistungen bei ihren Bestandskunden nicht ausweiten können. Oder dass Heimplätze nicht belegt werden, weil das Pflegepersonal fehlt.

Auf alle diese Gefährdungen der Versorgungssicherheit weist der DVLAB deutlich und schon lange hin. Und fordert einen sofortigen Umbau der Altenhilfe, vor allem
• den Sockel-Spitze-Tausch bei der gesetzlichen Pflegeversicherung,
• die Aufhebung der Sektorengrenzen (Versorgung nur noch in der eigenen Häuslichkeit),
• eine individuelle Bedarfsprüfung und die Einführung eines persönlichen Budgets für Pflegebedürftige,
• die Einbindung von Angehörigen und der Zivilgesellschaft in die Betreuung von pflegebedürftigen Menschen.

Dafür müssen die gesetzlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Und zwar SOFORT! Vielleicht werden die Entscheidungsträger*innen in der Politik jetzt doch etwas mehr hinhören. Schließlich sind die 48 Prozent hochbesorgte Bürger*innen ja zugleich Wähler*innen!

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