Gewalt und Aggression: Mehr Prävention nötig


08.04.2024 - Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) hat Zahlen und Forschungsergebnisse zu Gewalt und Aggression u.a. in der Pflege vorgelegt.

Der BGW wurden von 2018 bis 2022 rund 26.500 Arbeitsunfälle im Zusammenhang mit Schreck- und Gewaltvorfälle quer durch alle Branchen angezeigt – im jährlichen Durchschnitt etwa 5.300. Meldepflichtig ist ein Arbeitsunfall, wenn er zu mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit führt. Mehr als drei Viertel davon sind Gewaltvorfälle zwischen Beschäftigten oder von betriebsfremden Personen ausgehend. Zu den ebenfalls erfassten „Schreckvorfällen“ gehören auch Bedrohungen ohne körperliche Gewalt. In 88 Prozent aller Vorfälle kommt es zu einer physischen Verletzung, in 12 Prozent zu einer psychischen Verletzung (z.B. durch verbale Angriffe) – die sich oft erst mit zeitlichem Abstand zeigt und deshalb häufig nicht zu einer Meldung zu führt.

Die meisten Meldungen kommen aus den Branchen „Betreuungs- und Beratungseinrichtungen“ (35 Prozent), „Pflege“ (28 Prozent) sowie „Kliniken“ (14 Prozent). In einer Presseerklärung der BGW heißt es: "Diese Verteilung überrascht nicht, denn besonders in den beiden erstgenannten Branchen betreut oder pflegt das Fachpersonal häufig Menschen mit herausforderndem Verhalten und in außergewöhnlichen sozialen Situationen. Strategien gegen Gewalt, die in anderen Arbeitsfeldern funktionieren, sind dort nur begrenzt anwendbar."

Im Zeitraum 2018 bis 2022 hat sich die Zahl der jährlich gemeldeten Vorfälle nur wenig verändert. Im Zeitraum 2015 bis 2019 lag der Jahresdurchschnitt noch bei knapp 5.000 Schreck- und Gewaltvorfällen, im Jahr 2015 bei 4.500. Damit wird eine Zunahme der Vorfälle sichtbar. Unklar ist jedoch, ob die Häufigkeit tatsächlich zugenommen hat – oder ein stärkeres Bewusstsein dafür sorgt, dass Vorfälle häufiger gemeldet werden. Jörg Schudmann, Hauptgeschäftsführer der BGW, verweist jedoch darauf, dass die Zahlen in jedem Fall zu hoch.

Deshalb sei der Umgang mit Gewalt und Aggression ein wichtiger Teil des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes, betont die BGW. Es käme auch darauf an, ob sich Führungskräfte und Unternehmensleitungen mit der klaren Botschaft positionieren, dass Gewalt gegenüber ihren Mitarbeitenden nicht akzeptiert wird – und ob den Mitarbeitenden entsprechende Präventionsmaßnahmen angeboten werden.

In diesem Punkt scheint es noch viel Nachholbedarf zu geben, wie die Studie der BGW zeigt: 24 Prozent der Befragten kannten keine Angebote zum Umgang mit Gewalt in ihrem Unternehmen. Insgesamt fühlte sich nur jede oder jeder zehnte durch die eigene Einrichtung auf solche Übergriffe gut vorbereitet. Ein ähnliches Bild zeigt die zweite im Datenbericht enthaltene Studie von 2021: In einer Umfrage zu sexueller Belästigung und Gewalt gab ein Drittel der Befragten an, nichts über Maßnahmen zur Prävention oder Nachsorge in ihrem Unternehmen zu wissen.

Das Arbeitsschutzgesetz fordert Arbeitgeber*innen ausdrücklich auf, Gesundheitsgefährdungen am Arbeitsplatz zu vermeiden und Schutzmaßnahmen umzusetzen. Grundvoraussetzung für präventive Maßnahmen gegen Aggression und Gewalt am Arbeitsplatz ist eine betriebliche Kultur, die offen und systematisch mit diesem Thema umgehe, fasst es Jörg Schudmann zusammen.

Handlungshilfen, Qualifizierungsangebote und weitere Unterstützungsangebote finden die Mitgliedsbetriebe der BGW auf bgw-online.de.





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