"Stambulante" Pflege: Darf die sektorale Versorgung nicht zementieren!


04.04.2024 - Der DVLAB hat berichtet, dass Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach mit dem geplanten Pflegekompetenzgesetz eine dritte Pflegeform in Deutschland ermöglichen will: die „stambulante Versorgung“. Der Verband sieht diese Versorgungsform als einen Schritt in Richtung Auflösung der Sektoren an. Damit ist aber auch klar: Für den DVLAB gibt es perspektivisch zur sektorenfreien Versorgung keine Alternative.

Das hat er auch auf seiner letzten Klausurtagung bekräftigt, wo die Kernpunkte einer umfassenden Reform der Pflege- und Krankenversicherung diskutiert wurden. Dazu gehört in erster Linie die Aufhebung der Sektorengrenzen. Dieser Reformschritt – zusammen mit einer individuellen Bedarfsprüfung, der Einführung eines persönlichen Budgets für Pflegebedürftige sowie ihrer Versorgung nur noch in der eigenen Häuslichkeit – muss nach Auffassung des DVLAB den Kern der Neuausrichtung bilden.

Auch der dem DVLAB nahestehende Bremer Gesundheitsökonom Prof. Dr. Heinz Rothgang (Foto) sieht die "stambulante" Versorgungsform als neuen dritten Sektor zur Ergänzung der ambulanten und stationären Versorgung kritisch. Das sei „gut gemeint, aber im Ergebnis schädlich und sogar gefährlich“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Rothgang befürchtet eine noch größere Zahl an Abgrenzungsproblemen als jetzt schon, die unter anderem mit Blick auf die Vergütung von Leistungen eine Flut juristischer Streitfälle auslösen könnten.

Nun einen neuen dritten Sektor zu schaffen, statt für eine gänzlich sektorenfreie Versorgung zu sorgen, bei der jeder Mensch so wohnen kann, wie er will, bezeichnete Rothgang als "rückwärtsgewandt". Wörtlich sagte er: Wenn die Grenze zwischen der ambulanten und der stationären Pflege dagegen wegfalle, "so öffnet das auch den Raum für die Entwicklung neuer und innovativer Versorgungsstrukturen, die sich stärker an den Bedürfnissen der Pflegebedürftigen als an den Grenzen einer ordnungsrechtlichen Zuordnung orientieren.“ Wie der DVLAB plädiert Rothgang daher für eine Pflege, die unabhängig von der Wohnform modular als Leistung hinzutritt und nach einheitlichen Regeln abgerechnet wird.

Eine solche Reform ist ganz im Sinne des DVLAB. Daher kann die Einführung der "stambulanten" Versorgungsform wie gesagt nur ein möglicher Schritt in Richtung Auflösung der Sektoren sein – aber er darf auf keinen Fall die Aufrechterhaltung der sektoralen Versorgung zementieren.

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