Claudia Moll: "Nötige Veränderungen jetzt sofort angehen"


25.09.2023 - "Wir werden nie wieder so viele Pflegekräfte haben wie jetzt, wohl kaum mehr Geld, aber sicher mehr Menschen mit Pflegebedarf", hat die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Claudia Moll (Foto), verlauten lassen. Sie sieht jede Menge Herausforderungen für die Pflege, glaubt aber: "Wir haben noch alles in der Hand!"

Ihre Ideen, wohin die Reise für die Altenhilfe gehen sollte, hat Moll nun in der Broschüre "Pflege jetzt gestalten" dargelegt. Darin greift sie 11 Punkte auf:

Leistungen der Pflegeversicherung flexibilisieren: Moll möchte den derzeit kleinteiligen Leistungskatalog umbauen. "Menschen mit Pflegebedarf muss ein flexibles Entlas­tungsbudget zur Verfügung gestellt werden, das sie eigenverantwortlich, unbürokratisch und selbstbestimmt für ihre Bedarfe verwenden kön­nen."

Prävention und Rehabilitation ausbauen: Hier fordert Moll ein Umdenken und mehr passgenaue Angebote für Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen. "Gerade ambulante und mobile Präventions­- und Rehabilitations­möglichkeiten sind das A und O, um Selbstständigkeit zu erhalten und wieder zurückzugewinnen." Der Grundsatz "Rehabilitation vor und bei Pflege" sei zwar auf dem Papier festgeschrieben, vor Ort würden die Potenziale aber weitgehend ungenutzt bleiben, weil immer noch das fatale Vorurteile vorherrsche, dass sich Prävention und Rehabilitation bei Pflegebedürftigen nicht lohne.

Pflegende Angehörige unterstützen – wo immer es geht: Moll weiß, dass pflegende Angehörige eine der wichtigsten Säulen in der Pflege sind und maßgeblich nicht nur zur Versorgung, sondern vor allem zur Lebensqualität von Menschen mit Pflegebedarf beitragen. Deshalb hält die Pflegebeauftragte u.a. Hilfen bei der Gestaltung geeigneten Wohnraumes, eine Infrastruktur mit Fokus auf die Pflegebedarfe, flexiblere Regelungen in der Arbeitswelt (Teilzeit, Gleitzeit und Homeoffice) und eine Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige für wünschenswert.

24-Stunden-Betreuung aus der Grauzone holen: Für diese Art der häuslichen Betreuung müsse, wie im Koalitionsvertrag verab­redet, endlich eine rechtssichere Grundlage geschaffen werden, fordert Moll.

Miteinander füreinander – Nachbarschaft leben: Die Nachbarschafts­hilfe möchte Moll stärker gefördert und besser mit professionellen Angeboten ver­zahnt wissen. "Ihre Leistungen soll­ten flexibel und unbürokratisch mit der Pflegeversicherung abgerechnet werden können." Von den Ländern und Kommunen erwartet sie zudem verbesserte Struktu­ren, Vernetzung und Bekanntheitsgrad für ein stärkeres zivilgesellschaft­liches Engagement.

Potenziale der Digitalisierung nutzen: Etwa durch gezielte Beratung zu kleinen digitalen Helfern wie z.B. Sturzsensoren. Darüber hinaus mehr Telemedizin und Telepflege, was die Versorgung und die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen verbessern und nutzlose Ausgaben vermeiden würde.

Pflegestützpunkte und Gesundheitskioske ausbauen: "Solche Ange­bote muss es flächendeckend geben. Sie müssen umfassend und nutzer­orientiert weiterentwickelt werden unter Einbeziehung der digitalen Möglichkeiten", so Moll.

Kommunen stärken – Pflege und Teilhabe ermöglichen: Die Quartiersentwicklung sei überall voranzutreiben, "damit alle Menschen dort gut leben können, wo sie sich verbunden fühlen", fordert Moll von den Kommunen. Die kommu­nale Pflegeplanung müsse wie die Jugendhilfeplanung gesetzlich zu einer Pflichtaufgabe werden. "Die Diskus­sion über die dafür nötigen finan­ziellen Mittel muss sofort geführt werden."

Aufgabenverteilung neu gestalten: "So, wie wir die Schnittmenge zwi­schen ärztlicher und pflegerischer Tätigkeit neu ordnen müssen, müssen wir auch zwischen Pfle­gehilfs­- und ­fachkräften zu einer kompetenzorientierten Arbeits­teilung kommen. Dazu muss unter anderem die Pflegehelferausbil­dung bundesweit einheitlich gere­gelt werden." Hier sieht Moll die Bundesländer in der Verantwortung. "Dies
gilt auch für die dringend nötige Anpassung der Fachkraftquoten, die erforderlich ist, um mehr Assis­tenzkräfte einzustellen."

Beteiligungsrechte überall umsetzen: Die Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen "müssen in die Entscheidungen und Planungen ein­bezogen werden: in die kommunale Pflegeplanung, in die Gesetzgebungs­verfahren und in die Ausgestaltung des Leistungsumfangs der Pflege­versicherung", fordert Moll u.a..

Rechtsverletzung und Diskriminierung entschieden begegnen: Nötig sind nach Moll eine Schärfung der Kriminalpräven­tion und vor allem die gesellschaft­liche Wahrnehmung sowie, wo nötig, ein verbesserter Schutz von Menschen mit Pflegebedarf durch Gesetzesänderungen.

Claudia Moll in einer Presseerklärung zur Broschüre: "Wir müssen die Pflege jetzt neu gestalten, damit sie auch in Zukunft menschenwürdig, selbstbestimmt und bezahlbar ist. Das können wir schaffen – wenn wir jetzt sofort die nötigen Veränderungen angehen. Dazu will ich mit der Broschüre aufrufen und ermutigen."

Foto: Thomas Ecke

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