Sachverständigenrat Gesundheit & Pflege: Nächstes Gutachten zur Fachkräftesicherung


07.03.2023 - Der Sachverständigenrat (SVR), der seit Jahren vom Bundesgesundheitsministerium besetzt wird, hat erneut einen neuen Namen und neue Mitglieder erhalten. Als erste Aufgabe soll er ein Gutachten zur Fachkräftesicherung im Gesundheitswesen erstellen, so lautet der Auftrag von Bundesminister Karl Lauterbach.

Historie

Der Sachverständigenrat wurde 1985 als Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen geschaffen. Er sollte die Konzertierte Aktion, ein Gremium aus Vertreter*innen der an der gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung Beteiligten, in ihrer Arbeit unterstützen und ihr neue Impulse verleihen. Berufen wurde der Sachverständigenrat damals erstmals durch den Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, in dessen Ressort seinerzeit auch das Gesundheitswesen fiel.

Seit 1991 werden die Mitglieder des Rates vom Bundesminister für Gesundheit für eine begrenzte Dauer berufen. Der Rat soll stets interdisziplinär besetzt sein.

Im Januar 2004 erfolgte die erste Umbenennung des SVR in Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Grund dafür war das Ende der "Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen", nachdem das GKV-Modernisierungsgesetzes (GMG) in Kraft getreten war. Ende 2022 wurde dann auch gesetzlich klargestellt, dass der SVR ebenfalls für die Entwicklung in der Pflege zuständig ist. Entsprechend erfolgte eine erneute Umbenennung in Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege.

Aufgaben

Der SVR soll in der Regel jedes ein Gutachten zu einem spezifischen Thema erstellen. Er soll dabei
• die Entwicklung in der gesundheitlichen Versorgung und Pflege mit ihren medizinischen und wirtschaftlichen Auswirkungen analysieren,
• Prioritäten für den Abbau von Versorgungsdefiziten und bestehenden Überversorgungen entwickeln sowie dabei die finanziellen Rahmenbedingungen und vorhandenen Wirtschaftlichkeitsreserven berücksichtigen,
• Vorschläge für medizinische und ökonomische Orientierungsdaten vorlegen sowie
• Möglichkeiten und Wege zur Weiterentwicklung des Gesundheitswesens aufzeigen.

Effekte

Die Gutachten gehen in der Regel an das Bundesgesundheitsministerium. Bisher sind 21 Gutachten erschienen (Stand: Dezember 2022). Einige Empfehlungen daraus sind von der Gesundheitspolitik aufgegriffen worden, etwa die Förderung der ambulanten Pflege durch die Steigerung der Leistungsstufen oder der Ausbau von Präventions- und Rehabilitationsleistungen.

Am 19. Januar 2023 hat der SVR zum Ende seiner Amtszeit sein diesjähriges Gutachten Resilienz im Gesundheitswesen. Wege zur Bewältigung künftiger Krisen dem Bundesministerium für Gesundheit übergeben. Darin enthalten die Erkenntnis: "Das Gesundheitssystem ist für Krisen weiterhin nicht gut gewappnet." Auch dem Bundestag und Bundesrat werden die Ergebnisse zugeleitet.

Der neue SVR

Zum 1. Februar 2023 hat Bundesgesundheitsminister Lauterbach turnusgemäß neue Ratsmitglieder berufen. Ende Februar trat der SVR in Berlin dann zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen.

▶︎ Neuer Vorsitzender ist der Internist Prof. Dr. med. Michael Hallek, Direktor der Klinik I für Innere Medizin, Universitätsklinik Köln.

▶︎ Zu stellvertretenden Vorsitzenden wurden gewählt:
• die Pflegewissenschaftlerin Prof. Dr. PH Melanie Messer. Sie leitet die Abteilung Pflegewissenschaft II an der Universität Trier und hat den Schwerpunkt "Klinische Pflege über die Lebensspanne".
• der Gesundheitsökonom Prof. Dr. rer. oec. Jonas Schreyögg. Er ist Wissenschaftlicher Direktor des Hamburg Center for Health Economics (HCHE), Universität Hamburg.

Damit sind erstmalig alle drei im Rat vertretenen Disziplinen – Medizin, Pflegewissenschaft und Gesundheitsökonomie – auch im Vorstand präsent.

▶︎ Die weiteren Ratsmitglieder: Prof. Nils Gutacker, PhD (Health Economics an der University of York, UK), Prof. Dr. med. Stefanie Joos (ärztliche Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin und interprofessionelle Versorgung, UniversitätsklinikumTübingen), Prof. Dr. med. Jochen Schmitt, MPH (Direktor des Gesundheitsökonomischen Zentrums an der Technischen Universität Dresden sowie Direktor des Zentrums für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) am Universitätsklinikum Dresden) und Prof. Dr. rer. oec. Leonie Sundmacher (Leiterin des Fachgebiets Gesundheitsökonomie an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaften an der Technischen Universität München).

In der konstituierenden Sitzung waren sich die Ratsmitglieder einig, als Siebener-Gremium auftreten und wirken zu wollen.

Das nächste Gutachten

Im ersten Gedankenaustausch des neuen SVR mit Bundesgesundheitsminister Lauterbach wurde insbesondere das Thema „Fachkräfte im Gesundheitswesen“ erörtert. Der Minister hatte die Ratsmitglieder bereits in seinem Berufungsschreiben gebeten, dieses Thema in ihrem ersten Gutachten zu untersuchen. Analysiert werden sollen aktuelle Rahmenbedingungen und zukünftige Handlungsmöglichkeiten für die Fachkräftesicherung im deutschen Gesundheitswesen – sowohl für die stationäre wie für die ambulante Versorgung. Dabei sollen die verschiedenen Gesundheitsberufe in den Blick genommen und u. a. im Hinblick auf konkurrierende Bedarfe am Arbeitsmarkt und den demografischen Wandel untersucht werden.

Dazu Lauterbach: "Wir müssen Wege finden, auch die geburtenstarken Jahrgänge gut zu versorgen, wenn sie älter und kränker werden.“ Der Ratsvorsitzende sagte: „Der Personalmangel in Krankenhäusern, in der Pflege, aber auch in der ambulanten Versorgung wird immer problematischer. Deshalb ist es richtig, dass wir uns als Sachverständigenrat diesem Thema als Erstes stellen. Durch die Verkürzung der Gutachtenperiode haben wir nur ein Jahr Zeit, Antworten auf diese komplexe Fragestellung zu finden. Das ist für den Sachverständigenrat aber mehr Verpflichtung als Belastung. So können wir notwendige Veränderungsprozesse noch in dieser Legislatur anstoßen.“

Das Foto zeigt die neuen Mitglieder des Sachverständigenrates Gesundheit & Pflege (v.l.n.r.): Prof. Leonie Sundmacher, Prof. Jochen Schmitt, Prof. Melanie Messer, Prof. Michael Hallek, Prof. Jonas Schreyögg, Prof. Stefanie Joos, Prof. Nils Gutacker

Foto: MNG/Thomas Ecke
Quelle: svr-gesundheit.de







zurück


DVLAB e.V.
Bahnhofsallee 16 | D-31134 Hildesheim
Telefon: 05121-2892872 | Telefax: 05121-2892879
E-Mail: info@dvlab.de
Impressum | Datenschutz
©
Admin
- 461549 -