Der zweite Kongresstag: Liveticker vom 26. Bundeskongress


19.11.2021 - Guten Morgen am heutigen Freitag! Herzlich willkommen zurück auf unserem 26. Bundeskongress in Berlin. Es erwartet Sie an diesem zweiten Kongresstag erneut ein spannendes Programm, das mit dem Schlagwort „Pflege ganz praktisch“ zusammengefasst werden kann. Verfolgen Sie auch den zweiten Kongresstag jetzt in unserem Liveticker wieder mit.

+++ 9.13 Uhr +++ Um 9.30 Uhr beginnt der zweite Kongresstag. Die meisten Teilnehmer*innen, die den Bundeskongress in Präsenz miterleben, sind im Kongresshotel „Titanic Chaussee Berlin“ bereits eingetroffen und sind erneut tagesaktuell getestet worden. Auch heute werden innerhalb und außerhalb des Saals selbstverständlich die Abstände eingehalten und die Masken durchgehend getragen. An den Bildschirmen wiederum erwarten die digital zugeschalteten „Teilnehmer*innen die Übertragung des zweiten Kongresstages. 31 Teilnehmer*innen haben bereits virtuell eingecheckt. Über 100 kommen in den nächsten Minuten noch dazu. Die Technik steht wie am Tag zuvor. +++

+++ 9.32 Uhr +++ Der DVLAB Bundesvorsitzende Peter Dürrmann begrüßt alle Teilnehmer*innen herzlich. Dann kündigt er das erste Referat des Tages an. +++

+++ 9.33 Uhr +++ „Praxistransfer der neuen Personalbemessung“ titelt der Vortrag von Michael Wipp. Der Pflegeexperte, Fachautor und selbständige Berater von Pflegeeinrichtungen ist Mitglied im DVLAB-Bundesvorstand. Wipp spricht nun über die Roadmap zur Einführung des neuen Personalbemessungsinstruments und über das GVWG. Dabei gibt er wertvolle Hinweise zur ersten Ausbaustufe, die seit Jahresanfang 2021 läuft, sowie insbesondere zur zweiten Ausbaustufe, die Einrichtungen ab 1. Juli 2023 umsetzen sollen. Er zeigt vor allem auf, dass die damit zusammenhängende Umgestaltung der Arbeitsabläufe und -strukturen die größte Herausforderung für die Einrichtungen sein wird und erhebliches Umdenken zur Voraussetzung hat. Der Referent wird nicht müde, dabei immer wieder zu betonen, dass eine gute Vorbereitung der alles entscheidende Schritt ist, und übermittelt hervorragende Hinweise dazu, wie diese Vorbereitung schon heute konkret angegangen werden kann. Das ist ein großes Pfund für die Leitungskräfte im Saal und an den Bildschirmen! +++

+++ 10.33 Uhr +++ Seit 23 Minuten gehört Stephan Dzulko die ganze Aufmerksamkeit im Saal. Auch er ist Mitglied im DVLAB-Bundesvorstand, auch er ein ausgewiesener Experte, Fachautor und Dozent. Viele Teilnehmer*innen kennen von ihm schon, dass er so trockene Stoffe wie das heutige Thema „Indikatoren und externe Qualitätsprüfung“ so unterhaltsam wie nachvollziehbar darbietet. Dabei sind auch heute Dzulkos vorgetragene Erfahrungen aus der bisherigen Umsetzung für die Praxis wertvoll, weil äußerst aufschlussreich für das Jahr 2022, in dem es dann „richtig losgehen“ wird. Dzulkos wichtigste Erkenntnis: „Viele Einrichtungen haben schon freiwillig am neuen Verfahren teilgenommen. Und waren hinterher geschockt, wenn sie als Rückmeldung erhalten haben, dass viele Angaben nicht plausibel erschienen. Ich kann nur sagen: Das ist ein klares Indiz für gute Arbeit. Je höher Angaben nicht plausibel sind, umso besser ist die Einrichtung!“ Diese Einschätzung erläutert der Experte an einleuchtenden Beispielen. Er warnt aber auch davor, aus „strategischen Gründen“ für eine bessere Bewertung etwa im Bereich Mobilität falsche Angaben zu melden. +++

+++ 10.58 Uhr +++ Mit diesem hervorragenden doppelten fachlichen Input für die Praxis von Michael Wipp und Stephan Dzulko gehen die Teilnehmenden jetzt ins Pausencafé mit Besuch der Fachausstellung. +++

+++ 11.25 Uhr +++ Pünktlich schreitet der Bundeskongress voran. Zum Thema „An- und Verkauf von Sozialimmobilien und Betreibergesellschaften“ profitieren die Teilnehmer*innen nun von der Kompetenz zweier Experten. Sebastian Meißner leitet den Bereich Daten & Research beim Branchenportal pflegemarkt.com. Er belegt anhand von Zahlen eindrücklich, dass der Pflegemarkt stark in Bewegung ist, wie er sich von 2013 bis heute durch Verkäufe, Aufkäufe und Aufgaben von Einrichtungen erkennbar neu sortiert hat – und welche Faktoren aus der unterschiedlichen Sicht von Investoren und Betreibern eine Transaktion begünstigen oder auch nicht. Markus Bienentreu wiederum ist Geschäftsführer der TERRANUS GmbH. Als Spezialimmobilienmakler für Seniorenimmobilien u.a. mit dem Schwerpunkt Investmentbegleitung institutioneller Anleger kennt er sich mit Betriebsübernahmen und Transaktionsprozessen (M&A) sehr gut aus. Er berichtet u.a., dass auf Investorenseite der Standort einer Einrichtung das Interesse und den Preis immer noch stark mitbestimmt. Und sich immer mehr private Betreiber den wachsenden Anforderungen und Regulierungen nicht mehr aussetzen wollen. Zudem bliebe die Auffindung und Gewinnung des Personals das größte Problem. „Das liegt jedoch beim Betreiber – und der ist nach einer Transaktion nicht unbedingt identisch mit dem Eigentümer.“ Beide Experten legen zu ihren Ausführungen aktuelle Daten zum Marktgeschehen vor und lassen die Zuhörer*innen teilhaben an ihrem Wissen und ihrer Erfahrung. +++

+++ 12.03 Uhr +++ Der Bundeskongress ist im Programmfortlauf nur drei Minuten in Verzug, als Dr. Markus Plantholz aus Hamburg dazugeschaltet wird. Er referiert nun zur Frage: Was geschieht auf dem Weg zum Standardpflegesatz mit dem Wagniszuschlag? Dazu erläutert der Fachautor und Fachanwalt für Medizinrecht jetzt en detail die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts und von Landessozialgerichten, die Positionen verschiedener Schiedsstellen sowie natürlich die jeweiligen Auswirkungen auf die Praxis. Plantholz unterstreicht, dass Einrichtungen ein Recht auf Gewinnaussichten und eine angemessene Vergütung ihres unternehmerischen Risikos haben. Einerseits. Andererseits fallen Gesetzgebung und Rechtsprechung hier und Praxis dort stark auseinander, während jedoch Balance wichtig wäre. „Es ist richtig, dass wir uns über Schamgrenzen unterhalten“, sagt Plantholz. „Aber wenn jeder verdiente Euro misstrauisch beäugt wird, kann von Balance keine Rede mehr sein.“ Diese sei jedoch notwendig, wenn die pflegerische Versorgung dauerhaft sichergestellt werden soll. Einen Standardpflegesatz erwartet Plantholz in nächster Zukunft nicht – „aber Nivellierungstendenzen sind klar vorhanden“. +++

+++ 12.52 Uhr +++ Jetzt haben sich alle Teilnehmer*innen eine Mittagspause verdient. Viele vor Ort Anwesende kombinieren sie mit einem Besuch der Fachausstellung. Die online zugeschalteten Leitungskräfte nehmen daran wie am Vortag virtuell teil. +++

+++ 14.00 Uhr +++ Der Nachmittag ist angebrochen, jetzt steht eine Podiumsdiskussion auf dem Programm. Dr. Sven Halldorn, Geschäftsführer des bpa Arbeitgeberverbandes, und Axel Weinsberg setzen sich auf die Bühne. Letzterer vertritt bei ver.di die Tarifpolitik im Bundesfachbereich Gesundheit & Soziales. Als dritter Diskussionspartner übernimmt Georg Nicolay vom DVLAB-Bundesvorstand die Rolle des Moderators. Gut so – denn es geht um nichts weniger als um die Tarifbindung und Tariftreue in der Pflege. Wie wirkt sich die entsprechende Bestimmung im GVWG konkret auf die Beschäftigten, die Leistungserbringer und die Kosten aus? Axel Weinsberg findet das GVWG nicht sonderlich gut gemacht, es werde für die Beschäftigen aber Verbesserungen bringen und möglicherweise der Altenpflege mehr Personal zuführen. Sven Halldorn nickt: „Ja, das GVWG ist sehr schlecht gemacht, praxisfern, schwer umsetzbar – und dazu aus unseren Sicht verfassungswidrig!“ Eine entsprechende Beschwerde wurde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht, Halldorn hofft nun auf eine zeitnahe Entscheidung. Beide Diskutanten beklagen im übrigen, dass für die Umsetzung des GVWG noch keine Richtlinien vom GKV Spitzenverband vorliegen. Der vorläufige Lösungsvorschlag von Sven Halldorn: die zu engen Fristen für die Umsetzung durch die Einrichtungen verschieben und zudem die Entscheidung des BVG abwarten. Axel Weinsberg verspricht: Einrichtungen, die sich für einen eigenen Tarifvertrag an ver.di wenden, um nicht auf unpassende fremde Tarifverträge zurückgreifen zu müssen, denen wird innerhalb der gesetzten Fristen geholfen. +++

+++ 14.57 Uhr +++ Nach einer knappen Stunde sehen die Zuhörer*innen etwas klarer, zumindest kennen sie nun verschiedene Einschätzungen und Positionen. Diese Eindrücke von der Podiumsdiskussion tauschen sie in der folgenden 15-minütigen Pause aus und sind schon gespannt auf das abschließende Referat. +++

+++ 15.15 Uhr +++ „Nur Mut“ hat Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann ihr Schlussreferat überschrieben. Darin plädiert die bekannte Theologin entschieden für Besonnenheit in Zeiten der Krise – und meint damit nicht nur die Pandemie. Krisen, die stets vorübergend seien, gebe es auch ohne Corona, sagt sie, persönlich wie gesellschaftlich. Umso wichtiger sei es dann, Haltung und Solidarität zu beweisen. Gerade in einer Krisenzeit wie der Pandemie, in der alle einmal mehr erkennen konnten, wie fragil das Leben ist. „Von jetzt auf gleich kann alles anders sein. Aber Leben ist auch dann sinnvoll, wenn es fragil ist“, so Käßmann. Umso wichtiger erscheint ihr in solchen Zeiten die Besonnenheit. „Es ist eine gute und hilfreiche Lebenshaltung, sich zu besinnen und dadurch auch Ermutigung zu erfahren.“ Übersetzt meint die Referentin: Keine Panik, die Situation ist zwar schwierig, aber es geht trotzdem nach vorn. Nicht jeder Schritt erweise sich retrospektiv als richtig, aber nur Schritte vorwärts führten durch die Krise hindurch. Vielleicht würde sich dann auch ein großes Stück Haltung als nachhaltig erweisen, etwa die gewachsene Nächstenliebe, die Käßmann mit der weltlichen Vokabel „Solidarität“ übersetzt, oder der Erhalt von neuer Nachdenklichkeit über das Gesundheitssystem und systemrelevante Berufe wie in der Pflege. „Ich wünsche mir, Ihnen und uns allen, dass daraus eine bleibende Wertschätzung wird.“ Mit dem segensreichen Wort „Seid getrost und unverzagt“ beendet die Theologin ihren Vortrag. +++

+++ 16.02 Uhr +++ Zum letzten Mal nimmt Peter Dürrmann das Mikrofon zur Hand. Ihm gebührt traditionell die kurze Schlussbetrachtung zu den beiden Tagen des Bundeskongresses. Der DVLAB-Chef ist allen daran Mitwirkenden sehr dankbar, dass die diesjährig hybride Veranstaltung unter so erschwerten Bedingungen gelungen ist. „Das hat sich nicht nur fachlich, sondern auch persönlich gut angefühlt“, betont er und verabschiedet sich mit dem Wunsch, dass alle Teilnehmer*innen, analog wie digital, den zugesprochenen Mut von Frau Käßmann mit in ihren Alltag nehmen können. +++

+++ 16.07 Uhr +++ Der 26. Bundeskongress des DVLAB ist vorbei. Mäntel an und ab zum Auto, zur Bahn oder zum Flieger, heißt es jetzt für jene, die in Berlin anwesend waren. Hier und da stehen noch Einzelne (immer noch mit Abstand und Maske) zusammen, um sich voneinander zu verabschieden. Alle wünschen sich ein Wiedersehen spätestens in einem Jahr auf dem 27. Bundeskongress. Dann aber hoffentlich und endlich ohne Corona! Auch die Teilnehmer*innen an den Bildschirmen können ihre Endgeräte nun abschalten. Die Übertragung der Veranstaltung ist zu Ende. Sie war gelungen!
Der 27. Bundeskongress des DVLAB findet am 10. und 11. November 2023 in Berlin statt. +++

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